Der Unbekannte: Char léger FCM-36 in 1:48 von §-Model
Bausatz: „§-Model“ SS48655 – FCM-36 „France Light Tank“ 1:48
Figuren: „Blitz Kits“ 48GG P45 Pointeur mortier 81mm, 48GG P44 Chef de pièce mortier 81mm, 48GG P43 Chargeur mortier 81mm, alle 1:48
Was gibt’s zu lesen?
- Pascal Danjou, TRACKSTORY No. 7: FCM 36. S. l. 2007 (leider vergriffen)
- Steven J. Zaloga, French Tanks of World War II (1). Oxford 2014 (= Osprey New Vanguard 209), S. 23-26
- François Vauviller, Tous les blindés de l’armée française des origines à 1940. Paris 2020, S. 52.
- https://www.chars-francais.net/index.php/classement-individuel/fcm36?view=article&id=2066:30034&catid=29 (Die erste Anlaufstelle für französische Panzerfahrzeuge, auch finden sich zahlreiche Aufnahmen vom Panzer mit der Registrierung 30034, dem Vorbild meines Modells)
Zum Original
Die französische Panzerdoktrin der 1930er Jahre kannte ähnlich der britischen generell zwei Arten von Kampfpanzer: Es gab einerseits die langsameren, dafür schwer gepanzerten Infanteriepanzer, die den Angriff der Infanterie unterstützten, und andererseits die mobileren, dafür häufiger weniger stark gepanzerten Kavalleriepanzer, die für schnelle Durchbruchoperationen konzipiert waren und im weitgehend mechanisierten französischen Heer das Kavalleriepferd ersetzten. Der FCM-36 gehörte zur ersteren Kategorie und stand stets im Schatten seines bekannteren und in weitaus größeren Stückzahlen produzierten Konkurrenten, dem Renault R-35. Dies lag vor allem am hohen Preis, kostete der FCM-36 mit 450.000 Francs mehr als doppelt so viel wie der R-35 mit 200.000 Francs, aber auch am zeitintensiven Herstellungsverfahren der auf Schiffsproduktion spezialisierten Société Nouvelle des Forges et Chantiers de la Méditerranée (FCM). Dabei galt der FCM-36 als der beste unter den Infanteriepanzern der 1930er Jahre. Bewaffnet mit der alten, jedoch bewährten 37mm Puteaux SA 18-Kanone, die auch in den anderen Zwei-Mann-Panzern R-35, im Hotchkiss H-35 oder im alten FT-17 verbaut war, sowie einem koaxial verbauten 7,5 mm MAC31 Reibel Maschinengewehr, fuhr der FCM-36 mit seinen 12,4 Tonnen Gewicht gemütliche 24 km/h und damit absolut ausreichend schnell, um mit der Infanterie Schritt zu halten sowie immer noch 4 km/h schneller als die Konkurrenz von Renault.
Insgesamt wurden aus den genannten Gründen nur 100 Stück des mit 40mm vergleichsweise stark gepanzerten „leichten“ Panzers gebaut, die in den Panzerbatallionen 7 und 4 (4e und 7e BCC – Bataillon de Chars de Combat) eingesetzt wurden. Das 7e BCC wurde am 13. Mai 1940 den Deutschen am Maasbrückenkopf bei Sedan entgegengestellt und das 4e BCC kämpfte in der Schlacht von Stonne, dem „Verdun von 1940“ unter ebenfalls hohen Verlusten. Die meisten der verbliebenen FCM-36 gingen Anfang Juni 1940 in Rückzugsgefechten an der Aisne verloren.
Der Bausatz
Die chinesische Firma mit dem absolut bescheuerten Namen „SS-Models“ (wenigstens schreiben sie ihn häufig als Paragraphenzeichen) bietet sowohl auf ihrer Homepage als auch über einschlägige Portale wie Aliexpress und ebay 3D-gedruckte Bausätze von im Grunde jedem Panzer an, der jemals auf Ketten gesetzt wurde, und dies in allen erdenklichen Maßstäben von 1: 700 bis 1:35. Derzeit sind auf der Homepage über 570 Einträge gelistet, darunter eben auch fast alle französischen Kampfpanzer von 1940. Nun ist man als Modellbauer nicht gerade mit Panzerbausätzen im Maßstab 1:48 verwöhnt, von den alten Bandai-Kits, der exzellenten Tamiya-Reihe und einigen Hobby Boss-Bausätzen einmal abgesehen. Deshalb habe ich den Drucken aus Fernost trotz des Firmennamens einmal eine Chance gegeben und bin im Großen und Ganzen positiv eingenommen. Auf diversen Foren verdammen die Nietenzähler einige dieser Bausätze zwar in Bausch und Bogen, aber mir ist noch keiner untergekommen, der nicht wie das Vorbild aussah. Und für alles andere gibt es schließlich Plastikkarte und Spachtel. Tatsächlich weisen die Bausätze eine recht gelungene Oberflächenstruktur auf und die Kleinteile sind schön detailliert und maßstabsgerecht. Auch der Kleine FCM-36 entspricht genau dem Maßstab 1:48. Das Hauptproblem liegt für mich wie bei allen 3D-gedruckten Teilen im Material selbst: es ist spröde und brüchig und verzeiht keine Grobheit. Aber „Beggars aren’t choosers“, wie es so schön heißt, und solange Tamiya keine 570 unterschiedlichen Plastikspritzgussbausätze in ihren schwarzen 1:48er Boxen für Fahrzeuge auflegen, wird es mit „§-Models“ (ich bleibe jetzt bei dieser Schreibweise) eben gehen müssen.
Der FCM-36 besteht wie die meisten dieser Kits aus nur einer handvoll Teilen, nämlich einige Kleinteile wie Lüftergitter, Abschleppseile, Scheinwerfer oder dem prominenten Auspuff und abgesehen davon aus rechter und linker Laufwerkseite, Wanne und Turm. Gedruckt ist das alles in irritierend leuchtend-orangefarbenem Resin. In meinem Bausatz lag auch eine Bauanleitung, die auf zwei Din-A4-Seiten die Platzierung der Teile erahnen lässt. Etwas Literatur ist bei diesen Bausätzen also durchaus nicht überflüssig. Hilfreich war außerdem der Blick auf den „großen Bruder“, das hervorragende Spritzgussmodell des FCM-36 in 1:35 von ICM.
Der Bau
Wie bei 3D-gedruckten Bausätzen üblich besteht der Großteil des Baus aus dem Entfernen der Druckstützen und dem Versäubern der Teile. Wer hier ein Ultraschallmesser sein Eigen nennt (ich nicht) ist klar im Vorteil. Mein Bausatz war, und auch das Gegenteil ist ja generell bei 3D-gedruckten Bausätzen nicht völlig unüblich, vollkommen ausgehärtet und gereinigt. Nichts war klebrig oder roch auffällig.
Wenn dann alle Druckstützen entfernt sind und eine erste Trockenpassung der Teile erfolgt, fällt zweierlei auf. Erstens passen zumindest die Hauptkomponenten recht schön zusammen und das Ganze sieht, wie bereits erwähnt, auch durchaus nach einem FCM-36 aus, und zweitens ist die schöne Detaillierung der schrägen Seitenpanzerung mit allen angedruckten Details für die Katz. Denn durch die Aufteilung des Bausatzes, indem die beiden Laufwerke mit ihren Ketten und den Kettenabdeckungen und Aufhängungen ein jeweils rechtes und linkes Bauteil ergeben, verläuft der Spalt zwischen zentraler Wanne und den beiden Außenteilen mitten durch diese Panzerplatte. Hier hätte sich mit Sicherheit eine intelligentere Aufteilung finden lassen, besonders da die Ketten mit ihren Laufrollen derartig fein gedruckt sind, dass die Hinterschneidungen und Öffnungen sogar mit dem Pinsel quasi unmöglich alle erreichbar sind, nicht zu reden von der Airbrush. Hier fiel mir nur die brachiale Methode ein: verkleben der Seitenteile mit der Wanne, verspachteln der Spalten mit Karosseriespachtel aus dem Autozubehör und Herunterschleifen der geneigten Seitenpanzerungen, bis kein Spalt mehr sichtbar ist (und natürlich auch keine Niete mehr). Danach habe ich die Details in diesem Bereich an beiden Seiten mit Plastikkarte, Punch-and-die-Set und dünnem Messingblech wieder aufgebaut. Auch die Haltegriffe am Turm, die bereits beim Hinschauen zerbröselten, ersetzte ich durch Messing. Natürlich habe ich dabei vergessen, Fotos von den Bauabschnitten bis dahin zu machen, aber dieser Forenbericht hier (https://www.tapatalk.com/groups/missinglynx/ss-model-fcm-36-build-log-t335410.html) zeigt recht gut, was ich mit dem unglücklichen Spalt in der Seitenpanzerung meine.
Nach dem Zusammenbau der Hauptkomponenten versuchte ich, mit Hilfe mehrere Lagen Mr Surfacer 1200 Black und zahlreichen Zwischenschliffen, den Drucklayern Herr zu werden. Dies funktioniert angesichts der flachen Panzerplatten recht gut. Die Panzerung des Originals war an den Kanten miteinander verschweißt, was also am Modell fehlt, sind die Schweißnähte. Ich hatte hier keinerlei Motivation, in das spröde Material entlang der Kanten Fasen zu fräsen, um dann dort mit Zweikomponentenspachtel Schweißnähte zu modellieren, wie es im 1:35er Bereich üblich ist. Deshalb begab ich mich auf die Suche nach etwas wie den eigentlich zurecht verhassten, jedoch allseits bekannten Window Colors und landete schließlich bei einem „3D-Liner“ vom Marabu. Der ist laut Produktbeschreibung „für samtartige Pluster- und Reliefeffekte“ geeignet und zieht tatsächlich nicht nur flache Linien, sondern hinterlässt eine leicht halbrunde Linie. Klebt man die Kanten links und rechts ab, dann ließen sich die „Schweißnähte“ damit auch recht gerade hinplustern. Ich hatte mit Gelb auf Schwarz einen ganz angenehmen Farbkontrast, vor dem sich Missgeschicke mit einem feuchten Pinsel entfernen ließen (siehe Bilder). Diese Methode habe ich sicherlich nicht zum letzten Mal für Schweißnähte im kleineren Maßstab angewendet. Erst nach der Lackierung wurde das letzte Detail, die Abschleppkette montiert, die ich aus meinem Fundus an Mikroketten wählte. Dabei entstanden auch deren Halterungen am Bug der Wanne aus Plastikkarte neu.
Die Lackierung
Da mir ziemlich von Beginn an klar war, dass ich die komplexe Mehrfarbtarnung der Firma FCM nicht mit der Airbrush, sondern mit dem Pinsel würde vornehmen, setzte ich den kleinen Panzer fast komplett zusammen, montierte also auch nahezu alle Kleinteile, bevor ich nach einem letzten Durchgang mit Primer dann das Tarngrün aufsprühte und dann die Tarnung in Grau, Dunkelgrün und Braun mit dem Pinsel malte. Französische Panzer des 1. und 2. Weltkriegs sind bekannt für ihre bunten Tarnanstriche und die teilweise sehr elaboriert aufgemalten Namen. Meine Wahl fiel auf den FCM-36 mit der Militärnummer 30034, der im 4. Zug der 2. Kompanie des 4e BCC fuhr und der sowohl vor als auch nach seinem Fall in deutsche Hand recht ausgiebig fotografiert wurde. Obwohl nicht jede Windung der Tarnfarben genau erkennbar ist, ist deutlich zu sehen, dass 30034 auf der rechten Turmseite sehr klein den Namen „Jeanne“ trägt und auf der linken recht groß „Fantôme“. Die farbigen Spielkartensymbole zeigen seit dem Ersten Weltkrieg die Kompanie und den Zug an, also weiß für die 2. Kompanie, das Kreuz für den 4. Zug. Militärnummern, Kartensymbol und den „Fantôme“-Namenszug zeichnete ich in meinem Plotterprogramm nach und schnitt mir Masken, „Jeanne“ war klein genug, um mit dem Pinsel gemalt zu werden. Hilfreich war dabei, dass Heller in seiner Lizenzauflage des 35er ICM-Kits Decals für 30034 beilegt, die sich im Netz fanden und sich leichter zum Nachzeichnen nutzen ließen als die Schwarzweißfotos. Lackiert wurde schließlich in diesem Zuge auch die prominente Trikolore auf der Turmluke.
Die Alterung habe ich mit dem Verrosten des Auspuffs und der Abschleppkette begonnen, wofür ich diverse Rostwashings nass in nass tupfend auf einem schwarz-weiß vorbereiteten Untergrund verwende. Rost auf Panzerfahrzeugen ist ja immer eine fragwürdige Angelegenheit, schließlich waren die wenigsten Fahrzeuge lange genug im Einsatz, um wirklich zu rosten. Aber gerade der Hitze ausgesetzte Auspuffanlagen rosten recht schnell und es sieht am Modell einfach gut aus. Ähnlich scheiden sich die Geister beim „Chipping“ und wieder muss ich gestehen: Es macht einfach Spaß. Staub- und Schlammverschmutzungen enstanden schließlich mit Pigmenten und Ölfarben.
Die Szenerie
Ein runder schwarzer Sockel, mit Weißleim zu einer Paste verarbeitete, gesiebte Gartenerde, in die dann vor der Lackierung die Ketten des Panzers gedrückt wurden, etwas statisches Gras und Farbe – mehr gibt es zur Base eigentlich nicht zu sagen. Das Team des 81 mm-Mörsers stammt von Blitz Kit und ist etwas gröber gestaltet, als 3D-gedruckte Figuren von Konkurrenten wie Dynamo Models. Aber französische Figuren aus der Zeit der Weltkriege sind nicht gerade in Massen verfügbar und die Posen gefielen mir. Bemalt das dynamische Trio mit Acryl- (Uniformen) und Ölfarben (Gesichter).
Fazit
Mir ist zweifelsfrei Spritzguss als Material zum Bearbeiten das liebste. Dem 3D-Druck gehört allerdings offensichtlich die Zukunft. Das spröde, bruchanfällige Material mag ich überhaupt nicht. Und wer auch nur ein bisschen auf seine Gesundheit achtet, schleift das Zeug auch nur nass bzw. mit Maske vor dem Gesicht! Aber die Möglichkeiten, die der 3D-Druck für den Modellbauer bieten, sind einfach erstaunlich. Und für Modelle von Exoten im Wunschmaßstab beißt man doch in so manchen sauren Apfel.

























