Bei Sedan, 14. Mai 1940
Fairey Battle Mk. I und Renault Krankenwagen (1:48)
Bausätze:
- Trumpeter 05831 1:48 Fairey Battle Mk. I
- Classic Airframes 428 1:48 Fairey Battle, Mk. I (Habe ich ausschließlich für die Kabinenhaube gebraucht, denn der Bausatz beinhaltet zwei korrekte Hauben. Inzwischen gibt es aber eine korrekte tiefgezogene Haube von Falcon, siehe unten)
Zurüstteile:
- Falcon 9684 1:48 Fairey Battle Crystal Clear Canopy (hatte ich noch nicht zur Verfügung, ist aber wärmstens ans Herz gelegt für alle, die eine korrekte Fairey Battle bauen wollen)
- Special Hobby 129-4494 1:48 Fairey Battle Correction Wheels Set (ebenfalls sehr empfohlen, egal, was man über abgeflachte Reifen denkt, da die Bausatzräder die falschen Felgen haben)
- Dogfight Workshop 48P01 1:48 Fairey Battle Propeller (sehr zu empfehlen, da die Bausatzpropellerblätter von Trumpeter einige Millimeter – und damit durchaus sichtbar — zu kurz sind)
- Quinta Studio QD+48574 Fairey Battle Mk. I interior 3D decals (with 3D-printed resin parts) (eine pure Freude, damit zu arbeiten; Puristen greifen aber natürlich viel lieber zu Zweihaarpinsel und Mikroskop und malen die Details freihand mit auf dem Rücken gefesselten Armen)
- Hauler BRL48071 British Landing Lights (nicht speziell für die Battle, passt hier aber ganz hervorragend)
- LF Models M48131 1:48 Battle at War. Camouflage Painting Mask, Pattern A (dekadent…; nicht schlecht, aber muss wirklich nicht unbedingt sein)
Figuren:
- Blitz Kit 48GG P49 Conducteur no. 1 (den Krankenwagen muss schließlich auch jemand fahren)
- Modelu3D 50200 1:48 RAF Pilots in Conversation
- Speira Miniatures, Nurse Helping Wounded British Wilot, WW2 (Speira ist eine schwedische Firma, die jede Menge Figuren im 3D-Druckverfahren in allen möglichen Größen herstellt; wer die Figuren entworfen hat, ist dabei unklar)
- 3DMontis 1:48 Farmer with Basket (gedruckt beim Sockelshop)
- Farmer with Rake 1:48 (gedruckt von Laser Creation World, Designer unbekannt)
Was gibt es zu lesen?
- Andrew Thomas, Fairey Battle. In RAF and Overseas Service (= Wingleader Photo Archive, no. 40) s. l. 2025 (ach hätte ich doch dieses tolle Heft nur für dieses Projekt schon gehabt… Na ja, für die nächste Battle!)
- Ian D. Humley, Fairey Battle. Bedford, U. K., 2004 (viele Fotos und Zeichnungen vom Innenleben der Battle)
- William Harrison, Fairey Battle (Warpaint Series, no. 83). Buckinghamshire, U. K., s. a. (die Maßstabspläne hier und im Heft von Humley sind dieselben)
- Norman Franks, Valiant Wings. Battle and Blenheim Squadrons over France, 1940. Bodmin, Cornwall, 1994 (umfangreiche Einsatzgeschichte der AASF-Bombereinheiten)
- Victor Bingham, Blized! The Battle of France, May-June 1940. Surrey, U. K, 1990. (Darstellung der Airbattle of France eines Veteranen der 15th Sqn., RAF)
Die Fairey Battle Mk. I – The bomber doesn’t always get through
Ich halte nicht viel davon, hier Daten wiederzukäuen; Höchstgeschwindigkeiten, Abmessungen oder Gewicht können den gängigen Online-Enzyklopädien entnommen und müssen nicht abgeschrieben werden (https://de.wikipedia.org/wiki/Fairey_Battle). Vielmehr seinen einige Worte zum Einsatz der Battle in der von den Briten als „Battle of France“, deutscherseits als „Westfeldzug“ bezeichneten Auseinandersetzung im Frühling und Frühsommer 1940 verloren.
Wenige Flugzeuge haben nämlich ein schlechteres Image als die Fairey Battle. Im Jahre 1937 in der RAF eingeführt, erwartete man viel von dem modernen Eindecker mit Einziehfahrwerk, der die Doppeldeckerbomber Hawker Hart und Hawker Hind ersetzen sollte. Als die Battle dann drei Jahre später in Frankreich im Kampf eingesetzt wurde, führte ihre horrende Verlustrate dazu, dass die Fairey Battle für viele als eines der enttäuschendsten Flugzeugmuster der RAF überhaupt galt. Sie galt als zu langsam, unterbewaffnet und mit einer zu geringen Reichweite ausgestattet. Das Internet quillt über von negativen Superlativen, die Battle sei eine Todesfalle gewesen, es sei quasi Mord gewesen, Besatzungen mit diesem Flugzeug aufsteigen zu lassen. Kurz gesagt, die Battle erscheint in ihrer Einschätzung als Pendant des Zweiten Weltkriegs zur B.E. 2 des Ersten Weltkriegs, deren Beurteilung ähnlich verheerend ausfällt. Und die Daten scheinen den Kritikern Recht zu geben. Zehn britische Squadrons waren in der Battle of France mit Fairey Battles Mk. I ausgerüstet (12th, 15th, 40th, 88th, 103rd, 105th, 142nd, 150th, 218th und 226th Sqn.) und standen als 1. Gruppe des Bomber Command in der Advanced Air Striking Force (AASF) vom 10. Mai bis zum 5. Juni 1940 in Frankreich gegen die Wehrmacht im Kampfeinsatz. Von den 157 Fairey Battles gingen in diesen wenigen Wochen 100 Maschinen im Kampf oder auf dem Rückzug verloren, 119 Besatzungsmitglieder kamen ums Leben. Als einer der verlustreichsten Tage gilt der 14. Mai 1940, als 63 Battles und acht Bristol Blenheims Mk. IV in dem verzweifelten Versuch aufstiegen, bei Sedan den Maasübergang der deutschen Heeresgruppe A zu verhindern. Über die Hälfte der eingesetzten Battles kehrte nicht zurück.
Dabei beurteilten die eingesetzten Besatzungen die Fairey Battle und die zu solchen Verlustraten führenden Probleme durchaus differenziert. Der Staffelführer der 88th Sqn., A. W. Mungoven, beispielsweise, der selbst bereits am 11. Mai 1940 in einer Fairey Battle abgeschossen wurde, sah neben den bekannten Defiziten der Maschine selbst (geringe Geschwindigkeit von im Einsatz faktisch rd. 290 km/h und zu geringe Bewaffnung von nur einem einzigen vorwärts und einem nach hinten feuernden MG) der effektiven deutschen Flugabwehr vor allem die zu kurze Ausbildungszeit der Besatzungen als Problem an. Und tatsächlich war 1939 im Bestreben, die Menge einsatzfähiger Kampfpiloten zu erhöhen, die Trainingszeit der Crews von 12 auf acht Monate verkürzt worden, ein Phänomen, das sich bis 1940 nochmals verschärfte.
Ein weiteres gravierendes Problem wurde von Mungoven zumindest indirekt angedeutet, die Art und Weise, wie die Battles eingesetzt wurden, nämlich ohne Begleitschutz durch Jäger. Dies war einerseits den Verhältnissen geschuldet. Die zunächst nur vier, ab Mai 1940 schließlich elf Jägerstaffeln der BEF (schließlich alle mit Hawker Hurricanes ausgerüstet, keine Spitfire war vor 1944 auf französischem Boden stationiert) waren zahlenmäßig nicht in der Lage, um neben ihren übrigen Aufgaben die britischen Bomberstaffeln in Frankreich wirkungsvoll zu unterstützen. Der vergebliche Ruf nach weiteren britischen Jagdstaffeln erklang die gesamte Frankreichschlacht über, aber alle übrigen Jäger der RAF blieben zur Heimatverteidigung auf der Insel. Andererseits wurde von vorne herein dem Jagdschutz der Bomber auf der Führungsebene auch überhaupt keine Priorität eingeräumt. Denn 1940 galt weiterhin das Dogma, die Bomber ohne Begleitschutz einzusetzen, denn „the bomber always gets through“. Nicht nur die Besatzungen der Fairey Battles, sondern sehr wohl auch die deutschen Bomberbesatzungen, auf deren Seite diese Vorstellung zunächst nämlich genauso galt, bezahlten diesen Irrglauben häufig mit dem Leben.
Der Bausatz
Die Fairy Battle Mk. I, erschienen 2024, ist typisch Trumpeter: Ein im Grunde toller Bausatz mit hervorragender Detaillierung und Passgenauigkeit, leicht zu bauen — und einigen ganz gravierenden Fehlern, die den Gesamteindruck des fertigen Modells nachhaltig trüben. Es sind vor allem die völlig missglückten Klarsichtteile, die einen ratlos zurücklassen. So stehen doch in Brüssel und Hendon zwei originale Battles, an denen sich Trumpeter hätte orientieren können. Sehr gut wird die völlig falsche Form der Teile im Review von Brett Green auf hyperscale.com deutlich (https://www.hyperscale.com/2025/reviews/kits/trumpeter05831reviewbg_1.htm), ebenso wie weitere Fehler des Bausatzes, die falschen Räder und die zu kurzen Propellerblätter. Schließlich erweist sich im Laufe des Baus auch der Übergang vom Rumpf zum Kühler als falsch dargestellt. Beim Original geht der Rumpf nahtlos in den Kühler über, während der Übergang zum Kühler des Trumpeter-Bausatzes eine deutlich sichtbare Kante vorweist. Auf einem Foto der Maschine aus Hendon habe ich die problematischen Bereiche markiert.
Die meisten der genannten Fehler lassen sich aber mit Hilfe des Zubehörmarktes aus der Welt schaffen.
Die Markierungsoptionen im Bausatz beinhalten drei in traditionellem Dark Earth/Dark Green/Night gehaltene Maschinen und eine ganz in Night gespritzte Maschine für den Nachteinsatz. Wie immer gibt Trumpeter ärgerlicherweise keine Auskunft über Einheit, Einsatzort oder Datierung.
Der Bau der Fairey Battle
„Ja warum baust du denn dann nicht den Classic-Airframes-Bausatz, wenn der Trumpeter-Kit Mist ist?“ – Nun, weil zwischen beiden Bausätzen über 25 Jahre Spritzgusstechnologie liegen und der erste short-run gegossen, während der Trumpeter-Bausatz in Großserie gegangen ist. Die Oberflächenstrukturen, Materialstärken, Flügelhinterkanten und der Detailierungsgrad sind nicht zu vergleichen. Zudem belegt der Korrektursatz von Noblecraft für Nase und Seitenleitwerk, dass auch die Abmessungen des Classic-Airframes-Bausatzes nicht völlig fehlerfrei sind. Ich habe den Classic-Airframes-Kit im Grunde nur gebraucht, um die zweite Kanzelverglasung zu klauen.
Begonnen habe ich mit dem Cockpit. Hier glänzt Trumpeter durch feine Details und Maßstäblichkeit. Nur den Pilotensitz habe ich mit Putty und Feile etwas näher ans Original annähern wollen. Völlig hin und weg war ich davon, was die 3D-gedruckten Details von Quinta Studios an zusätzlichen Details mitbringen. Das Zeug ist wirklich ein Traum.
Was Trumpeter allerdings völlig vernachlässigt hat, ist der Kampfplatz des Bombenschützen im Bauch der Fairey Battle. Diesem wenig beneidenswerten Mitglied der Royal Air Force stand eine verschließbare halbrunde Öffnung im Flugzeug zur Verfügung, durch das er zur Bedienung seines Bombenzielgeräts nicht selten den halben Oberkörper strecken musste. Ich schnitt diese Öffnung aus dem Teil des Trumpeterbausatzes aus und ergänzte nach den wenigen mir vorliegenden Fotos vom Original, was man eventuell von diesem Bereich am Modell später sehen würde, mit Plastikkarde und Profilstreifen.
Und weil ich gerade so fröhlich am Aussägen war, entfernte ich für einen der vier geschlossen dargestellten Bombenschächte in den Flügeln die Klappen und detaillierte auch diesen Bereich mit Profilen nach. Hier sollten sich die Bombenklappen aufgrund von Flakbeschuss verklemmt haben, so die Storyline für mein späteres Diorama.
Die zahlreichen Beschussschäden an der metallbeplankten Außenhaut mussten ebenfalls jetzt vor dem Zusammensetzen der Hauptkomponenten realisiert werden. Ich fräste an den entsprechenden Stellen das Plastik dünner und riss die Oberfläche auf. Plastikprofile ergänzten in einigen Bereichen die zutage tretende Rippenstruktur.
Die Montage der Rumpfhälften stellte dann ebenso wenig wie das Einpassen der durch einen Holm verbundenen Flügel ein Problem dar. Ich kann mich nicht an größere Spachtelarbeiten erinnern. Einzig am Übergang Rumpf-Flügeloberseite habe ich etwas geschliffen und ein wenig Spachtel gebraucht. Das war der Rede nicht wert. Die beiden prominenten Scheinwerfer sind im Grunde ausreichend detailliert, wurden zusätzlich aber noch mit zwei Ätzteilen von Hauler ergänzt, um die charakteristisch leicht verdrehten Abdeckungen auf den Scheinwerfern darzustellen. Die Klarsichtteile hier sind durchaus brauchbar und passen sehr gut. Was natürlich weniger gut passt, sind die tiefgezogenen Klarsichtteile des Classic-Airframes-Kit. Aber mit Geduld, Zweikomponentenspachtel und vorsichtigem Schleifen stellt das Anpassen der Teile zwar eine zeitintensive, aber lösbare Aufgabe dar.
Bevor es ans Lackieren geht, setzte ich die erst danach anzubauenden Kleinteile zusammen. Dabei wurden vier Bombenschachtklappen aus Plastikkarte und eine Bombenaufhängung für den offen stehenden Bombenschacht scratch hergestellt. Die 3D-gedruckten Teile des Propellers von Dogfight Workshop passen so gut, dass beinahe kein Kleber notwendig ist. Etwas schlechtes Gewissen hatte ich schon, das Schmuckstück für die Bruchlandungsszene in heißem Wasser zu verbiegen. Die Fahrwerksbeine passen wie mittlerweile nicht anders erwartet ganz hervorragend. Die maßstäbliche Dünne der Beine macht das Ganze aber zu einer wackeligen Angelegenheit. Hier wäre eigentlich der Zurüstmarkt gefordert, Fahrwerksbeine aus Messing herauszubringen. Aber sowas gibt es natürlich nur für Bf-109-Tiger-FW-190 Modelle… Die Fahrwerksklappen von Trumpeter erschienen mir etwas dick, weshalb ich sie durch selbst gebaute aus dünnerer Plastikkarte ersetzte. Das Maschinengewehr ist wie die Munitionstrommeln 3D-gedruckt von Quinta und eine Augenweide. Die am Original stoffbespannten Ruder, an denen ich Beschussschäden darstellen wollte, traktierte ich mit Fräse und Messer und überzog die beschädigten Stellen mit Alufolie, die sich dann recht realistisch zerreißen lässt.
Die Lackierung begann mit dem Abdecken der alufarbenen Beschussschäden am Metall mit Liquid Mask und der Cockpitverglasung mit Tape. Bei einem Greenhouse wie dem der Fairey Battle sind vorgeschnittene Masken natürlich eine große Arbeitserleichterung. Mittlerweile gibt es welche von Montex, aber da diese für die ursprüngliche Bausatzkanzel geschnitten sein dürften, bin ich da skeptisch. Mit gutem Skalpel und Washi-Tape ist auch diese Aufgabe nach einiger Zeit abgeschlossen.
Ich hatte weder vor, eine der vier im Bausatz vorgeschlagenen Markierungsvarianten zu realisieren, noch die Decals des Classic-Airframes-Bausatzes zu benutzen, die aufgrund ihres Alters keinen sonderlich guten Eindruck mehr machen. Ich wollte eine Maschine der 12th Squadron realisieren, die am 14. Mai 1940 über Sedan verloren gegangen war. Das Problem hierbei ist, dass das Schicksal der meisten Maschinen relativ gut erforscht und häufig außerdem die Wracks fotografisch recht gut belegt sind. Derartig einschränken wollte ich mich nicht bei der Konzeption meiner Szene und so fiel meine Wahl auf „L4960“ mit der Markierung „PHoV“, von der nur bekannt ist, dass sie am 14. Mai über Sedan verloren ging. Aufnahmen der Maschine scheinen nicht zu existieren. Das gab mir auch die notwendige Freiheit, die drei kleinen Seitenfenster am Rumpf des Beobachterstandes zu belassen, die bei späten Baulosen entfielen. Ebenso unklar bleibt, ob auf dieser Maschine schwarze oder graue Walkways aufgemalt waren, wie es bei einigen Fairey Battles der Fall war, oder ob die Maschine womöglich noch einen Farbfleck mit heller Farbe trug, die auf Gasbeschuss reagiert hätte.
Ich entschied mich für das „A“-Schema bei der Tarnung aufgrund der Tatsache, dass die Seriennummer L4960 eine gerade Zahl ist, und spritzte das Tarnschema mit den Real-Colors Farben von AK (WW2 RAF Temperate Land Scheme) unter Zuhilfenahme der Masken von LF-Models auf. Für das Night mischte ich etwas Blau mit schwarz. Ein paar Highlights setzte ich jeweils mit aufgehellter Grundfarbe auf die Blechstöße. Für alle Markierungen schnitt ich mir Masken mit meinem Plotter und lackierte diese von Hell nach Dunkel auf. Für das Washing verwende ich immer noch gerne Ölfarben, die Lackabplatzer entstanden mit alufarbenen Buntstiften. Nach einer Schicht Mattlack von VMS und leichten Abgasspuren kam dann der große Moment, als ich die Masken von den Scheiben nahm – alles dicht geblieben.
Zur Endmontage gibt es dann nicht mehr wirklich viel zu sagen, den Antennenmast ersetzte ich durch einen aus Messing, die Antenne entstand aus flexiblem Garn von Uschi van der Rosten. Ein Wenig Gefrickel ergab sich aus der geöffneten Positionierung der hinteren Cockpitverglasung, was aber mit dem punktuellen Einsatz von Zweikomponentenkleber gelöst werden konnte.
Der Renault
Der Renault AGC 3, schwerer Sanitätskraftwagen, war für die französische Armee bis zum Dezember 1940 in immerhin 6075 Exemplaren bestellt worden, von denen bis zum 20 Mai 1940 2853 Stück geliefert worden waren. Der Bausatz stammt von der Firma Gasoline aus Frankreich und stellt einen klassischen mit Silikonformen vervielfältigten Resinbausatz dar. Seine Stärken liegen zum einen in der Tatsache, dass es ihn überhaupt gibt – denn einen solchen Exoten produziert natürlich kein Großserienhersteller. Die sind damit beschäftigt, die 250. Variante eines Tigerpanzers zu veröffentlichen. Zum anderen ist die Passgenauigkeit der Teile, wenn sie einmal versäubert sind, erstaunlich gut. Die Nachteile liegen in zahlreichen Luftblasen und -einschlüssen sowie in Materialstärken, die so derart jenseits jeglicher Maßstäblichkeit liegen, dass man um den Dremel mit Fräskopf einfach nicht herumkommt. In der Retrospektive floss auch mindestens 50 % der Bauzeit in das Reduzieren der Wandstärken. Die Scheiben entstanden alle aus Plastik-verpackungsresten. Hier sei angemerkt, dass die Scheiben des Sanitätsaufbaus nicht etwa vergittert sind, wie man aus einigen Fotos des Originals schließen könnte, sondern aus verstellbaren, durchsichtigen Lamellen. Nach mehreren Durchgängen mit hellem und dunklem Primer (Mr Surfacer), um Oberflächenmakel sichtbar zu bekommen, lackierte ich das Fahrzeug mit Farben von Hataka (orange line: early WW2 French Army paint set), wobei ich die Standarttarnfarben Vert olive und Terre d’umbre noch etwas aufhellte. Die Scheinwerfergläser entstanden mit unter UV-Licht aushärtendem, klaren Resin. Das gelbe Dreieck auf blauem Grund ist übrigens anders als in der Wehrmacht kein Hinweis auf eine Anhängerlast, sondern das Warndreieck der französischen Armee für einen Krankenwagen und gehört aufgestellt. Mein Bausatzteil habe ich verloren und so musste ich es scratch bauen. Die Decals stammen aus dem Bausatz und ließen sich überraschend gut verarbeiten. Im Nachhinein bin ich zufrieden mit dem Bausatz, freue mich aber gleichzeitig darüber, dass viele Kleinserienhersteller, wie etwa „Blitz Kits“, mittlerweile auf 3D-gedruckte Bausätze umstellen. Handgegossene Resinkits sind ja so 90er Jahre…
Die Figuren und die Szenerie
Die Fahrerfigur, die ich in den Renault packte, musste ich trotz der enormen Materialreduktion, die ich am Führerhaus durchgeführt hatte, etwas modifizieren, damit er hineinpasste. Eigentlich ist es sehr schade, dass man ihn so schlecht sieht, denn die Figur ist sehr schön.
Der Rest der Figuren wurde über die gesamte Bauzeit hin zusammengesammelt und stammt aus unterschiedlichsten Quellen. Kernstück der Szene stellte der verletzte Pilot dar, der von einer Krankenschwester versorgt wird und die bei mir zur französichen Bäuerin wurde. Die anderen Figuren gruppierten sich im Laufe der Zeit dazu. In diversen Umstellproben probierte ich aus, welche Figuren die Szene am besten erzählten. Um ausführliche Umbauten bin ich dabei tatsächlich herumgekommen, einzig und alleine das britische Crewmitglied, das auf dem Trittbrett des Krankenwagens mitfährt und die Richtung angibt, musste leicht modifiziert werden und erhielt neue Hände von Royal Models. Bemalt wurden die Figuren mit einer Mischung aus Acryl- und Ölfarben. Der Proviant der Bauern ist ebenfalls 3D-gedruckt, das Verbandszeug wurde nach Vorbildfotos aus Green Stuff und anderem Zweikomponentenkitt modelliert.
Nach einigen Stellproben der Szenerie hatte ich mich für die schließlich realisierte Komposition der Einzelelemente entschieden und sägte mir ein Brett zurecht, das auch noch gerade so an die dafür vorgesehene Stelle der heimischen Vitrine passt. Das für die Notlandung auserwählte Feld wurde mit Hilfe von gesiebter Gartenerde und Weißleim realisiert, ebenso wie die leichte Böschung am Feldrand, die die Fairey Battle dann endgültig stoppte. Der Rest der Szenerie wurde mit statischem Gras und Büschen aus dem Dioramenzubehör begrünt. Farblich habe ich mich an Aufnahmen orientiert, die Landschaft im Mai zeigt. Den Schluss des Ganzen bildete ein aus Zweikomponentenkitt geformter Fallschirm, der an die Luke des Bombenschützen gehängt wurde, um die Aufmerksamkeit des Betrachters auch auf diesen Bereich des Modells zu lenken.
Fazit: Das ganze Projekt hat dann doch – wer hätte es gedacht – deutlich länger gedauert, als ursprünglich angenommen. Aber ich hatte schon lange nicht mehr so viel Spaß am Hobby wie hier. Und das war sicherlich auch nicht meine letzte Fairey Battle…
Andreas Borsos im Juni 2026













































