Modellbau-ABC von Wilfried Eck

 

 

 

 

 

 

 

zurück zu Modellbau

Markierungen 1936-1941 Markierungen 1945 Markierungen Geleitträger Farben US Navy 1941-1945

zurück zur homepage.


 

Markierungen der US Navy - Trägerflugzeuge

Teil II - 1942 - 1944.

Kennzeichen und Markierungen US-amerikanischer Flugzeuge sind in diesem Zeitraum stark von operativen Erfordernissen geprägt und einem ständigen Wandel unterworfen.

 

   

F4F-3 Wildcat Frühjahr 1942

 

Trägerbetrieb auf  der CV-16 Lexington, 11/1943, Gilbert Islands Operations

 

Geschichtlicher Hintergrund:

Im Frühjahr 1942 umfasste das von Japan eroberte Territorium Ostchina, Indochina bis Burma, die Philippinen, Neuguinea und weite Teile des Pazifiks, auf den Salomonen stand man kurz vor Australien. Erste nur von Flugzeugträgern ausgeführte Schlacht (Korallensee, 06.-08.42; japanische Shokaku beschädigt, amerikanische CV-2 Lexington versenkt).  Überlegenheit japanischer Flugzeuge und Piloten. Ein erheblicher Teil dieser hervorragend ausgebildeten Piloten geht jedoch in der Schlacht um Midway (04.06.42) mit den Trägern Akagi, Hiryu, Soryu und Kaga unter.  Auf amerikanischer Seite lediglich Verlust von CV-5 Yorktown. Expansionspläne Japans werden damit illusorisch.

1943 ist von den Kämpfen um Guadalcanal und anderen Inseln der Salomonen geprägt.  Verschiedene Land-, See- und Luftgefechte schwächen Japan so nachhaltig, dass der alliierte Sieg nur noch eine Frage der Zeit ist. Auf japanischer Seite verbleiben aufgrund Beschussempfindlichkeit eigener Flugzeuge und geänderter amerikanischer Taktik nur noch Reste der gut geschulten Vorkriegspiloten.

1944 ist von der amerikanischen Gegenoffensive bestimmt. Stetige Indienststellung neuer Flugzeugträger. Einnahme von Stützpunkten, die als Basis für das weitere Vordringen dienen. Dabei jeweils Vorbereitung und Unterstützung der Landungsunternehmen des US Marine Corps durch Flugzeugträgereinheiten.  19./20.06.1944 Schlacht in der Philippinensee, faktisches Ende der japanischen Marineluftwaffe. Ab Herbst 1944 Landungsoperationen auf den Philippinen, erste Kamikaze (s. eigene Seite).

Siehe hierzu auch:

 

 

 

 

 

 

F6F-5N Nachtjäger auf CVL-22 Independence, Philippinen, 10/1944

Eingesetzte Flugzeugträger:

  • Flottenträger (CV, „Carrier Vessel“,  speziell für diesen Zweck gebaut, ohne beiklappbare Tragflächen ca. 40 Flugzeuge, später 90 und mehr),

  • Leichte Träger (CVL, modifizierte Kreuzerrümpfe mit aufgesetztem Deck, ca. 30 Flugzeuge),

  • Geleit- (Escort-) Träger, (CVE, zunächst aus Frachtschiffen oder Tankern umgebaut, dann eigenständige Serienfertigung, ca. 30 Flugzeuge). Diese Kategorie trat ab 1943 verstärkt auf und bildete 1945 zahlenmäßig das Gros.

Die Einsatzdauer eines Flugzeugträgers betrug hierbei - entsprechend des Auftrags - lediglich Monate, mitunter noch kürzer die der eingeschifften Squadrons. Beispiel Jäger-Squadrons der CV-10 Yorktown: VF-5, 09-12/1943;  VF-5, 01-02/1944; VF-1,  05-06/1944; VF-3, 01/1945; VF-9, 03-04/1945; VF-88, 06/1945.

Für Modellbauer: Wegen der relativ kurzen Einsatzdauer blieb für "ageing" keine Zeit.


Generell vorweg:  Bei der US Navy galten Flugzeuge als Regierungseigentum, das nicht verunstaltet werden durfte. Dem entsprechend war in der Vorkriegszeit alles reglementiert. Sogar ein Squadron-Abzeichen durfte nur geführt werden, wenn es genehmigt war, ebenso waren Ort und Größe festgelegt. De facto-Besitzer des einzelnen Flugzeugs war der 1. Wart, der es dem Aviator (in der USN hieß man nicht Pilot) nur auslieh. Der durchschnittliche Flugzeugführer hatte keine persönliche Maschine und damit auch keine Gelegenheit, "seine" Maschine nach eigenen Vorlieben zu dekorieren (s. hierzu auch unten "Abschussmarkierungen).

Eine Vorkriegs-Squadron umfasste 18 Flugzeuge,  später variable Größe bis zu 30.  Übergeordnete Einheit war die Air Group.

Die ersten Kriegserfahrungen zeigten jedoch alsbald, dass das Vorkriegs-Kennzeichnungssystem nicht mehr zeitgemäß war.

 

Hoheitsabzeichen:

Variationen des Hoheitsabzeichens 1942 auf der CV-6 Essex
 
 
         
Zu den Farben siehe

Farben der US Navy 1941-1945

   

Zeitliche Abfolge:

  • Ab 05.01.1942: Am Rumpf in Größe 24 Zoll, Direktive 05.02.1942: So groß wie möglich. Dem entsprechend rückte das Hoheitsabzeichen in der Praxis am Rumpf nach vorne und das Kennzeichen der Squadron nach hinten.  Am Seitenruder 13 gleichbreite Streifen, 7 in "Insignia Red", 6 in "Insignia White". Auf den Tragflächen nunmehr auf beiden Seiten, ebenfalls so groß wie möglich, auch über das Querruder.  Abstand von der Tragflächenspitze 1/3 der Strecke zum Rumpf.
  • 06.02.1942: Das Hoheitsabzeichen darf nicht bewegliche Teile des Flügels berühren. Am Rumpf mittig zwischen Hinterkante Tragfläche und Vorderkante Höhenleitwerk. Da die Umstellungen in aller Eile erfolgte, konnte es, wie nebenstehend zu sehen, zu diversen Variationen kommen.
  • Ab 06.05.1942 (vor Midway!) entfällt der rote Punkt. Er missfiel den Piloten und konnte zu leicht mit dem japanischen Hoheitsabzeichen verwechselt werden. Größe des Hoheitsabzeichens wieder reduziert. Ebenso entfallen die rotweißen Streifen am Seitenleitwerk.
  • 25.09.1942: Auf Drängen der Briten, die Identifikationsprobleme fürchteten, wurde für die Operation „Torch“ (Landung in Nordafrika, 11/1942) dem Hoheitsabzeichen ein dem britischen Hoheitsabzeichen nachempfundener gelber Ring an Rumpf und Tragflächenunterseiten angefügt.
  • 01.02.1943: Das Hoheitsabzeichen entfällt auf der Oberseite der rechten und der Unterseite der linken Tragfläche. Größe 75 % der Strecke zwischen Tragflächen- und Querrudervorderkante, Platzierung 1/3 der Strecke bis zum Rumpf´,  Ausführung nunmehr in "non specular" (nicht glänzend).
  • 28.06.1943: Anfügung weißer Balken (Länge gleich Radius der Scheibe, Breite halbe Scheibenbreite); Umrandung des neuen Hoheitsabzeichens in "Insignia Red", Stärke 1/8 Radius. *
  • 14.08.1943: Die rote Umrandung wird durch eine in Farbe der Scheibe (Insignia Blue) ersetzt. Dies auf Drängen der Einheiten auf dem pazifischen Kriegsschauplatz, wegen der unliebsamen Assoziationen zur Farbe Rot. Dieses Hoheitsabzeichen hat Bestand bis 1947 (Einfügung eines roten Streifens in 1/3 Höhe). **
* Abweichend vom allgemeinen Standard wurde Grumman im Juni 1943 gleichzeitig erlaubt,  für das Hoheitsabzeichen auf der Oberseite der linken Tragfläche anstelle von "Insignia White" Hellgrau (65 %"Insignia White, 35 % "Light Battleship Gray") zu verwenden. Die Umrandung entfiel (s. Foto links). Da die Typen F4F und TBF bereits von General Motors in Lizenz gebaut wurden, betrag dies nur die F6F-3.
   
** Bei Flugzeugen in „Glossy Sea Blue“ verzichtete Grumman bei den Hoheitsabzeichen auf das Blau. Es bestand nurmehr aus einem  weißen Stern mit weißen Balken. Offiziell sanktioniert 02.01.1945. Hier zu sehen an einer F6F-5 der Air Group 11, CV- 12 Hornet, Ende 1944.

 

Kennzeichen:  
   

Foto nach 15.05.1942 da Hoheitsabzeichen ohne Punkt

Die aus den farbenfrohen Dekorationen der Vorkriegsära übernommene Kennzeichnung zeigte sich 1942 alsbald als wenig praktikabel, auch das Hoheitsabzeichen erschien nicht optimal, was eine Mischung aus vereinzelten offiziellen Direktiven und - eigentlich verbotenen - inoffiziellen Anpassungen auf Squadronebene zur Folge hatte.  Da zudem das Anbringen von Neurungen nicht oberste Priorität genoss, bestand vor allem in der Anfangszeit ein Nebeneinander von Alt und Neu.

Die Profiles am Ende dieser Seite zeigen die zeitliche Entwicklung.

Dennoch lassen sich vier verschiedene Stufen recht gut unterscheiden, wenngleich die Übergänge fließend waren:


 

 

   

Standard Markierungen bei Kriegsausbruch, 07.12.1941:

  • Nummer der Squadron (hier 8), Kennbuchstabe Einsatzzweck (hier F, Fighter), individuelle Nummer (2), Schwarz, "block style" d.h. gerade Linien mit 45° abgeschrägten Ecken, Strichbreite 1/6 Höhe; entsprechend Direktive vom 26.02.1941 Höhe 12 Zoll.

  • Individuelle Nummer hinten auf der inneren Tragflächenseite, optional an der Motorhaube und/oder Tragflächenvorderkante.

  • Hoheitsabzeichen zwischen Tragflächenhinterkante und Vorderkante Höhenleitwerk, Größe 24 Zoll,

  • Auf der Leitwerksfinne Waffengattung (NAVY oder MARINES) zentriert über der Seriennummer (Bestellnummer des BuAer), auf dem Seitenruder in gleicher Höhe (2/3) zentriert die Typangabe, schwarz in 1 Zoll Höhe. Dies blieb bis Kriegsende unverändert, nur die Farbe wechselte bei Anstrich in "Sea Blue" zu Weiß;

  • Beschriftungen in "Block Style", d.h. senkrechte und wagrechte Linien mit 45° abgeschrägten Ecken. System bis Kriegsende unverändert.

   
Ab 29.04.1942: Aus der Vorkriegskennung (hier 6-F-10) entfällt die Nummer der Squadron, weil deren Nummer Rückschlüsse auf den Heimat-Flugzeugträger zuließ.

Auf Squadronebene: Nummer auf den Hinterseiten der Tragflächen entfällt.

Etwa gleichzeitig auch ein Wechsel von Schwarz zu Weiß (vgl. Foto oben).

 

   
Ab Herbst 1942: Von der Air Group bzw. Squadron selbst festgelegte weiße Nummerierung in vom Standard abweichender Größe, gelegentlich auch mit davor gesetztem, frei gewählten Buchstaben (hier 1943 VT-25 auf CVL-25 Cowpens).

Nummerierung unabhängig von der Sollstärke der Squadron, z.B. auch dreistellige Nummern (meist landbasierte der US Marines, vermutlich letzte drei Ziffern der BuAer-Nummer).

 

   
Ab August 1943 erste inoffizielle Leitwerksmarkierungen ("G-Symbol") als Erkennungssymbol der Squadron; im Herbst 1944 allgemein verbreitet.

Frei gewählte Nummerierung und deren Größe.

   
Ab 26.01.1945: Leitwerksmarkierung erstmals als Kennzeichen des Trägers, hier der CV-17 Bunker Hill, Air Group 84. Im Einzelnen siehe Seite "Markierungen 1945".

Frei gewählte Nummerierung, zunehmend in 100er-Blocks für die jeweilige Aufgabe, z.B. 100+ für Jäger, 200er für Torpedo, etc.

 

   

 

Leitwerksmarkierungen, "G-Symbols":  
   
Ende August 1943 - Bombardierungvon Marcus Island - zeigte sich am Seitenleitwerk von F6F-3 Hellcats der VF-5 der CV-10 Yorktown ein weißer schräg abwärts laufender Balken (s. Foto links). In den Markierungsvorschriften nicht vorgesehen und daher illegal. Offiziell war nur ein schräg aufwärts laufender, der dem Landesignaloffizier als Orientierungshilfe diente. Da aber niemand einschritt folgte etwas später die VF-2 bzw. Air Group 2 der Hornet mit einem weißen Punkt. Einheiten anderer Träger waren zunächst abwartender, so dass bei der großen Luftschlacht um die Marianen im Juni 1944 die meisten Maschinen noch schlichte Nummern aufwiesen, mitunter allerdings in formidabler Größe. Um diese Zeit war es schon üblich, einem Träger eine komplette Air Group zuzuweisen (gleiche Squadron-Nummer für VF-, VB- und VT-Squadrons).

Da ein sog. "G-Symbol" ("G" wie geometrisch) eine Entscheidung der jeweiligen Squadron war, konnte es vorkommen, dass andere Squadrons an Bord dem nicht folgten. So z.B. bei der Air Group 19 auf der CV-16 "Lexington", wo die Avengers der VT-19 ein G-Symbol am Leitwerk führten, der VF-19 aber eine hochgesetzte Nummer ausreichend schien. Wechselte eine Squadron während ihres Einsatzturnus’ den Träger, behielt sie auch ihre Markierung, so z.B. beim Wechsel der VF-20 von der Enterprise zur Lexington. Auch auf der CVL-28 Cabot hatten verschiedene Air Groups differierende Markierungen.

Die erste Generation von "G-Symbols" war rein Squadron-bezogen. Keine Kennzeichnung des Trägers, wie oft fälschlich behauptet!

   

Der Grund für diese Markierungen bleibt im Dunklen, da von keiner offiziellen Direktive erfasst (ein ungewöhnliches Novum in der US Navy). Die nun laufend in Dienst gestellten neuen Träger und deren Zusammenfassung in sog. "Task Units" bzw. "Task Groups" lassen aber vermuten, dass es sich um Formationshilfen handelte, d.h. gut sichtbare Erkennungszeichen, die das Bilden einer Formation erleichtern und zur Abgrenzung von anderen dienen sollten.  So waren z.B. bei der Operation "Galvanic", Besetzung der Gilbert Inseln vom 13.11.-08.12.1943 19 Flugzeugträger beteiligt (6 Flottenträger, 5 Leichte Träger und 8 Geleitträger).  Da sich diese Formationskennzeichen bewährten, folgten immer mehr Squadrons dieser Praxis, 1945 wurden sie sogar verordnet, dieses Mal aber für den jeweiligen Träger, auf dem Foto links daraus ersichtlich, dass sowohl die Torpedo- als auch die Sturzbomber-Squadron das gleiche Symbol führten. Hier auf CV-10 Yorktown,

"G-Symbols" wurden ausschließlich von Trägerflugzeugen geführt.

Auch nicht per Notlandung, da entsprechende Plätze entweder zu weit weg oder in japanischer Hand waren.

 

   
Atlantik:  
   
Geleitflugzeugträger zur U-Bootjagd im Atlantik operierten allein, dem entsprechend waren alle US-Flugzeuge in dessen Umgebung von der eigenen Einheit. Eines Erkennungssymbols bedurfte es nicht.

Im Atlantik eingesetzte Flugzeuge verfügten lediglich über schwarze Nummern über ihrem grau-weißen Anstrich und sind deshalb leicht als solche zu erkennen.

   
   
Andere Kennzeichen:  
   
Flugzeuge mit Buchstabe+Nummer-Kennung - hier "R-18" waren landbasiert auf einer Naval Air Station (NAS) stationiert. Falls an Bord eines Trägers zu sehen, entweder nur kurz zu Trainingszwecken oder aber - wie z.B. im Falle der CVE-107 "Gilbert Islands" - zur Auffüllung eines Fehlbestands der Bord-Squadron mit alsbaldiger Übermalung der NAS-Kennung.

Die Vorkriegskennung - Nummer+Buchstabe Einsatzzweck+Nummer* - zeigt an, dass diese Einheit auf einer Naval Air Station das sog. "Shake down" zu absolvieren hatte ( hier 89. Fighter-Squadron, 34. Maschine). Es galt, Squadron und Piloten zu einer Einheit zu formen, fit für den Einsatz zu machen. Dazu gehörte auch, die vorgeschriebene Anzahl von Landungen erfolgreich zu absovieren, um zum Trägereinsatz zugelassen zu werden.

* Standardbuchstaben: "F" Fighter, "T" Torpedobomber, "S" Scout-Divebomber", "B" Bomber (bei SB2C anstelle von S)

 


 

Abschuss- und andere Markierungen:  
   
 
 
 
Abschussmarkierungen waren zwar zunächst offiziell nicht vorgesehen, wurden aber als motivierend toleriert. Wobei noch in Erinnerung gerufen werden sollte, dass sie auf Trägerflugzeugen selten zu sehen waren, da es keine persönliche Zuordnung von Flugzeugen gab. Üblicher war die Anbringung am "Scoreboard"  der Kommandoinsel.

Nichts illustriert dies besser als die Hellcat Nr. 8 der VOF-1 (Foto leider Copyright, gesamte Maschine s. Profilesammlung unten). Vier Abschussmarkierungen (2 He 111 am 20.08.44, 2 Ju 52 am 21.08.44) bleiben - außer dass es sich um deutsche Flugzeuge handelt - im Rahmen des Gewohnten, jedoch steht hinter jeder Reihe ein Name (oben „Ens.A.R.Wood“, darunter „Lt(jg) E.W.Olszewski“). Was schlicht und einfach bedeutet, dass mit dieser Maschine bei der Invasion von Südfrankreich zwar vier Abschüsse erzielt wurden, jedoch an zwei Tagen von zwei verschiedenen Piloten.

Publicityfotos widersprechen dem keineswegs. Oftmals wurden für Fotos japanische Flaggen nur in Form von austauschbaren Stickern aufgebracht (und anschließend wieder entfernt). Reine Propagandafotos oder nur für's Familienalbum.

Die häufig publizierten "Minsi" (I - IV) von Cdr. David McCampbell trug nicht nur auf beiden Seiten Abschussmarkierungen, sondern in Gelb auch den entsprechenden Schriftzug. Absolut ungewöhnlich dazu "AGC" (Air Group Commander) im horizontalen Streifen am Heck. Alles offiziell so nicht erlaubt. Aber die Presse - "die Leute wollen so etwas sehen!" - hatte gewonnen. McCampbell ließ sich so als Kriegsheld gut vermarkten und wenn Dekorationen à la Air Force halfen, Kriegsanleihen zu verkaufen, konnte die Navy schwerlich Nein dazu sagen. - Was aber, wie gesagt, nicht für jeden galt.

Das bekannte Bild von "Pappy Boyington" (Kommandeur der VMF-214) in der F4U-1D Corsair Nr. 86 ist ein gutes Beispiel, wie Publicityfotos entstanden:  Ein Zeitungsbericht über Boyington benötigte natürlich auch ein entsprechendes Foto. Die zufällig in der Nähe stehende und völlig neutrale Corsair Nr. 86, nicht Boyington's Maschine, wurde entsprechend dekoriert - sogar mit verbotener Namensaufschrift! - und Boyington gebeten, Platz zu nehmen. In Wirklichkeit legte Boyington Wert darauf, eine völlig neutrale Maschine zu fliegen, um nicht den Gegner auf ihn aufmerksam zu machen.

Bomber-Squadrons zeigten mitunter kleine Symbole (Bomben oder auch nur Striche) unterhalb des Cockpits. Sie bedeuteten aber meist "nur" die Zahl der geflogenen Einsätze.

Nur bei weit entfernten Inseln im Pazifik konnte man eher "seine" Maschine fliegen und auch bei den Dekorationen war man nicht immer auf Einhaltung der Vorschriften erpicht. Aber eben nur dort. Außer der VF-17 der Navy meistens Flugzeuge des Marine Corps.


 

Squadron-Abzeichen:

Abzeichen VF-1

Als Squadron-Abzeichen durften nur solche geführt werden, die vom BuAer genehmigt waren. Anbringung unterhalb der Windschutzscheibe, nirgends sonst. Größe maximal 6 Zoll.

Die Piratenflagge der VF-17 an der Motorhaube war damit unvorschriftsmäßig und rare Ausnahme, aber auch das sonstige Aussehen dieser landbasierten F4U Corsair ging eher auf Publicitywirksamkeit in Heimatblättern zurück. Ebenso das einzelner landgestützter  Maschinen des Marine Corps.

An Trägermaschinen eher selten zu sehen.


 

Persönliche Dekorationen, "Nose Art":  
   
 

Dekorativ, aber bitte nicht auf einem Flugzeugträger!

Entsprechend der US Navy-Doktrin, dass einer Squadron zugeteilte Flugzeuge Regierungseigentum blieben und jede persönliche Dekoration als Verschandelung galt, waren Namensaufschriften und andere persönliche Dekorationen verboten.

Leider gibt es Fotos, die zeigen, was nicht zu sehen sein sollte. Das war dann zwar eine rare Ausnahme, aber der Laie, gewohnt an Air Force und deutsche Luftwaffe,  könnte das als allgemein üblich missverstehen. Insbesondere, wenn einem der Unterschied zwischen US Navy und US Marine Corps nicht geläufig ist.

Flugzeuge der Navy waren von raren Ausnahmen abgesehen, nur auf Flugzeugträgern stationiert. Hier galt die Regel, keine persönliche Zuordnung der Maschine, keine persönlichen Dekorationen (Ens. George Bush nannte "seine" TBM-1C zwar "Barbara", zu sehen war dies aber nicht.  Allerdings konnte er - abweichend von der üblichen Praxis - meist die Nummer 2 fliegen, die "San Jacinto" hatte nur ca. 30 Maschinen). Dem gegenüber waren Maschinen der Marines bis 1945 nur an Land stationiert. Hier konnte man eher "seine" Maschine fliegen und, wenn keine Einwendungen erfolgten, auch etwas draufschreiben. Was nur bei den Marines möglich war.

"Nose Art" à la USAAF ging eindeutig zu weit.  Als die Maschinen der VF-27 wegen Bombardierung der CVL-23 "Princeton"  auf der CV-10 "Essex" landen mussten, stellte man dort Verschandelung von Regierungseigentum fest und ordnete sofortige Übermalung an. Es war eine sehr, sehr kurzfristige Angelegenheit.

Im Juli 1945 flogen jedoch alle Maschinen, sogar Avengers, des Geleitträgers CVE-107 "Gilbert Islands", mit "Nose Art" (s. Seite "CVE-Markierunen").  Als Marines nahm man es, das baldige Kriegsende vor Augen, wohl nicht mehr so genau.

   
  Gelbe oder weiße Ringe um die Motorhaube (s. Profiles unten) waren vorübergehende Erkennungsmarkierungen in abwaschbarer Farbe.


 

US Marine Corps:

 
F4U.1A Corsair, VMF 223, Green Island, Mitte 1944
Links eine F4U-1A Corsair des US Marine Corps in Standard-Anstrich und -Markierung. Als individualle Nummer wie üblich nur letzte zwei oder drei Ziffern der BuAer-Nummer (= Bestellnummer des Bureau of Aeronautics).  Meist in Höhe des Balkens vor dem Hoheitsabzeichen, mitunter aber auch größer am Rumpf. Weiße Streifen auf der Motorhaube sind  Klebeband um Eindringen von Benzindämpfen ins Cockpit zu verhindern.

Flugzeuge des USMC - durchaus auch mit mehrmotorigen Typen - waren üblicherweise nur an Land zur Sicherung eroberter Inseln und Unterbindung des feindlichen Nachschubs stationiert.  Erst als Ende 1944 zusätzliche Flugzeuge zur Unterstützung gegen Kamikazeangriffe gebraucht wurden, waren Corsairs auch auf Flugzeugträgern anzutreffen. Dann mit den gleichen Einheitsmarkierungen und von denen der Navy nicht zu unterscheiden.


 

Der jeweilige Anstrich ist aus den Zeichnungen unten ersichtlich.

Genaueres unter Seite "Farben der US Navy"

 


Profiles:

Die Farbzeichnungen (Rohvorlage Srecko Bradic, Markierungen Wilfried Eck) sind nach Fotos einer für diese Zeit repräsentativen Maschine erstellt, wobei davon ausgegangen werden kann, dass spätestens im Herbst 1944 die jeweilige Markierung von allen Typen der Air Group geführt wurde.

Legende: Einheit, Träger, repräsentatives Datum für diese Markierung

 

 
 

Teil III: Markierungen 1945


Alle Fotos US Nationalarchiv bzw. US Navy

Text: Copyright Wilfried Eck

Profiles: Copyright Wilfried Eck/Strecko Bradic