A.V.I.A FL.3 von RSmodels in 1:72

von Gerhard Schmalzl

Modell/Typ: A.V.I.A FL.3

Bausatz/Maßstab: RSmodels, 1:72

Einheit/Einsatzgebiet: Scuola di Falconara, Ancona, Italien, 1941

 

Lombardi, ein bekannter italienischer Flieger, gründete 1938 die Firma A.V.I.A. in Vercelli um leichte Sport- und Schulflugzeuge zu bauen. Die von ihm entwickelte FL.3 hatte ihren Erstflug am 6. November 1938. Die Produktion begann im August 1939. Die Maschinen wurde hauptsächlich zur Erstschulung von Flugschülern verwendet, bevor sie auf die Saiman 202 und 200 weitergeschult wurden. Der Hauptabnehmer dieses kleinen Flugzeugs war die Regia Aeronautica. 1943 übernahm die kroatische Luftwaffe auch 10 A.V.I.A. FL.3 für Ausbildungszwecke. Fünf Maschinen hatten ein offenes Cockpit und die restlichen ein geschlossenes. Die Luftwaffe verwendete die Maschine ab 1943 auch zur Schulung, vor allem in Österreich. Einige dieser Flugzeuge dienten schließlich auch bei der Aeronautica nazionale Repubblicana. Nach dem Krieg fand die FL.3 weite Verbreitung bei zivilen Flugschulen und privaten Piloten in Italien und der Schweiz.

 

2002 brachte Robert Schneider von RSmodels zuerst die FL.3 mit offenem Cockpit als eines seiner ersten Spritzgußmodelle heraus. Danach folgte die Version mit geschlossenem Cockpit. Sie sind bis heute der einzigen Bausätze in 1/72.

 

 

Der Bau dieses kleinen Bausatzes beginnt überraschenderweise mit dem Cockpit.

Man merkt natürlich, dass das ein Shortrun Kit ist und noch dazu ein frühes Werk von Robert Schneider, dass klar mehr Arbeit erfordert als ein Hasegawa Bausatz. Aber es ist dennoch eine gute Ausgangsbasis und alternativlos. Bei den Sitzen ergänzte ich selbstgefertigte Gurte und die bereits strukturierten Seitenwände wurden mit einigen Hebelchen aufgewertet. Die Ruderpedale und die Gestänge fertigte ich aus feinstem Draht. Das Armaturenbrett ist richtig gut, sodass ich nur noch die Instrumente mit kleinen Decals versehen musste. Diese bekamen dann noch einen kleinen Tropfen Kristal Klear, um das Glas zu simulieren.

 

Der Rumpf, die Tragflächen und das Leitwerk ließen sich ohne Probleme zusammenkleben und mussten nur noch sorgfältig verschliffen werden. Anschließend bohrte ich gleich die Löcher für die Verspannung am Leitwerk auf. Das Fahrwerk ist zwar sehr filigran, lässt sich aber an den nur angedeuteten Befestigungspunkten unter dem Rumpf exakt montieren. Sehr schön ist auch der hölzerne Sporn, der trotz seiner Winzigkeit ganz authentisch nachgebildet ist und nur noch fein bemalt werden muss. Das gleiche gilt für den Propeller, für den ich zur Nachbildung der Holzmaserung nach der Grundierung mit heller Holzfarbe diesmal einen Buntstift verwendete. Nicht so gut gelungen ist die Cockpitverglasung, die zweimal vorhanden ist. Sie lässt sich wegen der Krümmung sehr schlecht ausschneiden und schon bei leichter Biegung entstehen helle Stellen im Kunststoff. Wenn man sie genau ausschneidet, wird die hintere Scheibe auch zu schmal. Anhand von Fotos konnte ich feststellen, dass die Kante zum Cockpit hin ledergepolstert war. Also entschloss ich mich die Lederpolsterung durch einen 0,2 mm starken Bleidraht zu simulieren, der dann auch gleichzeitig der Verlängerung der Scheibe diente. Die Verstrebungen lackierte ich mit Alcad Aluminium und die Lederpolsterung in Lederbraun mit einem 0/10 Pinsel.

 

 

Nach der Grundierung spritzte ich als erstes den Motorbereich mit Alclad Aluminium und maskierte diesen Bereich anschließend. Die Farbangaben für diese Maschine variieren zum Teil erheblich. Bei der grauen Rumpffarbe sind sich noch alle einig, bei den Tragflächen und dem Leitwerk finden sich Angaben von hellgrau über eierschalenfarbig zu Bianco Avorio 5 (ein helles und blasses Gelb, ähnlich dem RLM 05). Zunächst lackierte ich die italienische Tricolore auf das Leitwerk und maskierte das Ganze. Für die weißen Teile der Maschine maskierte ich einfach die Tamiya-Grundierung und mischte mir die Farbe nach Farbfotos aus Mr.Hobby H318 und H51 selbst. Für das Grau verwendete ich Mr.Hobby H69. Nach der Glanzlackierung brachte ich die Decals aus dem Kit an, die sich sehr gut verarbeiten ließen. Es erfolgte noch die Versiegelung der Decals mit Glanzlack und ein leichtes Washing. Jetzt konnten noch die Kleinteile, wie die Räder, der Schleifsporn, die Verspannung sowie die Ruderhörner und Seilzüge der Quer- und Höhenruder angebracht werden. Das Schlussfinish bildete ein seidenmatter Lack von Model Master.

Jetzt demaskierte ich den Motorbereich und konnte die mit silber und schwarz bemalten Zylinder des Motors in den vorher schwarz bemalten Bereich der Verkleidung einkleben. Die dem Bausatz beiliegenden Auspuffrohre mussten vor der Montage noch gekürzt werden, da sie zu lang sind.  Zuletzt sind noch der Propeller, die Cockpithaube und das aus Albion Alloys-Röhrchen hergestellte Staurohr angebracht worden.

Fertig war jetzt ein farbenfroher Vogel, der extrem selten zu sehen ist. Der Bau beinhaltet einige Herausforderungen, die aber sicher zu bewältigen sind.

 

Literaturhinweise:

–  Ali DÍtalia Mini Nr. 4 AVIA FL3

   Typendoku mit Fotos, Farbfotos, Farbprofilen und 1/72 Zeichnungen

Technische Daten:

Länge: 6,36 m

Spannweite: 9,85 m

Leergewicht: 300 kg

Max. Startgewicht: 515 kg

Motor: CNA D/IVS, 60 PS

Höchstgeschwindigkeit: 170 km/h

Reichweite: 597 km

Dienstgipfelhöhe: 5000 m

 

Gerhard Schmalzl im September 2026