SUOMEN ILMAVOIMAMUSEO TIKKAKOSKI - Das Luftwaffenmuseum in Zentralfinnland
Von der Thulin Typ D bis zur Saab Draaken – rund 80 Jahre Geschichte der finnischen Militärluftfahrt komprimiert an einem Ort
von Michael Hase
vorneweg eine Information vom Webmaster:
das Hoheitszeichen der finnischen Luftwaffe ist seit 1918 – und damit weit vor dem Gebrauch durch die deutschen Nationalsozialisten – das sogenannte Hakaristi. Es ist ein Hakenkreuz, das in seiner Form dem deutschen gleicht, aber meist hellblau auf weißem Grund lackiert wurde. Auch wenn der historische Zusammenhang durch die ausschließliche Darstellung auf finnischen Flugzeugen klar ist, wurde darauf geachtet, die Hakenkreuze unkenntlich zu machen. Sollte dennoch eines übersehen worden sein, bitten wir um einen entsprechenden Hinweis.
Jetzt lassen wir aber den Autor Michael Hase sprechen:
Das Finnish Air Force Museum ist eines von insgesamt sechs Luftfahrtmuseen in Finnland und ist heute „das“ Museum für die finnische Militärluftfahrt. Es beherbergt die mit Abstand größte und umfassendste Sammlung an Exponaten der Geschichte der finnischen Luftwaffe von 1918 bis zum Anfang der 2000er Jahre.
Neben Repliken und restaurierten Objekten finden sich auch mehrere Flugzeuge und Geräte im Originalzustand, darunter auch die weltweit einzig erhaltene Brewster B239 „Buffalo“.
Zu Beginn der 70er Jahre gestattete die wirtschaftliche und politische Situation Finnlands erste Gedanken an Luftfahrt- und Luftwaffenmuseen. Von Anfang an war es angedacht, zwei größere Museen in Vantaa bei Helsinki und in Zentralfinnland in Tikkakoski bei Jyväskylä einzurichten. Helsinkis Museum sollte primär den zivilen Bereich abdecken, Tikkakoski die Entwicklung der Militärluftfahrt und des Radar- und Funkmesswesens der Luftwaffe darstellen. Es dauerte weitere acht Jahre bis 1978 die private „Museum Foundation of Central Finland“ gegründet wurde, die heute als Träger des Museums fungiert.
1979 wurde dann das Museum gegründet, das sich seit 1989 am heutigen Standort in einer ehemaligen Betonfabrik in Tikkakoski befindet. Seit 1987 trägt das Museum den offiziellen Titel „Finnish Air Force Museum“.
Das Air Force Museum Tikkakoski heute – ein Spiegelbild der wechselvollen Luftwaffengeschichte Finnlands
„Wie in den meisten Ländern weltweit wurden auch in Finnland die überzähligen und nicht mehr benötigten Flugzeuge der Luftwaffe ohne weiteres Nachdenken über deren historischen Wert größtenteils verschrottet“, erklärt mir Kai Mecklin (60), Oberstleutnant a. D. der finnischen Luftwaffe und Direktor des Museums beim Rundgang durch die Ausstellungshalle. „Allerdings hatten umsichtige Angehörige der Luftwaffe bereits vor dem Krieg und bis Kriegsende schon einige Modelle eingelagert, die dann den Grundstock eines künftigen Museums bilden sollten. Diese sind teilweise in einem sehr hohen Originalzustand und damit ein Magnet für die rund 25.000 Besucher pro Jahr, die wir hier haben. Die Dauerleihgabe der „Brewster“ macht dieses Museum noch interessanter, so dass alljährlich Besucher aus der ganzen Welt bei uns vorbeikommen. “
Auf mehreren hundert Quadratmetern Fläche im Inneren des sehr hellen und geräumigen Museums befinden sich ständig rund 25 ausgestellte Flugzeuge. Dazu sind in den Sommermonaten weitere fünf bis zehn Flugzeuge im Außenbereich ausgestellt.
Unter den Exponaten befinden sich neben dem Nachbau der Thulin Typ D, dem ersten Flugzeug der finnischen Streitkräfte, typische Exponate für die Zeitabschnitte
- Vorkrieg
- Weltkrieg
- Nachkrieg bis 2000
umgeben von Dioramen, Modellen, einer umfangreichen Motorensammlung, persönlichen Ausstattungsgegenständen, Sitzen und Teilen von Flugzeugbergungen.
Von der Thulin D bis zur Saab Draken – das Konzept der Ausstellung
Als ältestes Modell ist ein Nachbau der Thulin Typ D gleich im Eingangsbereich aufgestellt. Dieses mit der Kennung „F.1“ versehene Flugzeug war die erste Maschine der finnischen Streitkräfte. Die seltenen und wenig bekannten Maschinen Breguet 14A2 (3C.30), Gordou-Leseurre GL.22 (8F.12) und die ebenfals restaurierte Martinsyde F.4 Buzzard (MA-24) repräsentieren die frühen Anfänge der finnischen Luftwaffe und die 20er Jahre des letzten Jahrhunderts. Als Trainer und Vertreter der 1930er Jahre stehen eine DeHavilland D.H.60 Moth (OH-EJA) und eine Focke Wulf FW-44J Stieglitz (SZ-4) in der Halle.
Sieben Exponate, die es „in sich haben“ sind aus der Zeit 1939-45 erhalten und ausgestellt. Die beiden Stars des Museums sind sicherlich die weltweit wohl einzige nahezu original erhaltene und lackierte Hawker Hurricane Mk. I und der einzigen im Originalzustand belassenen Brewster 239.
Aber auch die weniger bekannten Exponate einer 1984/89 restaurierten Fokker D-XXI (FR-110), der in Finnland entwickelten VL Pyörremyrsky „Wirbelwind“ (PM-1) und der ebenfalls in den 70ern außen restaurierten Bf 109 G-6 (MT-507) sind zusammen mit der Bristol Blenheim Mk. IV (BL-200) echte Highlights, die man nicht überall sehen kann.
Die – auch in Finnland gebaute – Blenheim Mk. IV ist der einzige erhaltene Bomber aus der Zeit und verdankt sein „Überleben“ nur dem Umstand, dass er nach dem Krieg für Vermessungsflüge der weiten finnischen Landschaften genutzt wurde. Die Messerschmitt BF 109 G-6 stand auch Pate bei der Konstruktion des Tamyia-Modells in den Maßstäben 1/48 und 1/72. „Mitarbeiter der Firma Tamyia waren zwei Wochen hier und haben alles vermessen,“ erklärt Harry Huopainen, der Chefkonservator des Museums, der sich seit nunmehr mehr als zehn Jahren um die Ausstellungsstücke kümmert und selbst passionierter Modellbauer ist, stolz. Bei meinem Termin waren immer noch Reste des bekannten Tamyia-Tapes am Objekt der Begierde vorhanden…
„Gerade bei den Maschinen aus dieser Zeit sind wir von der Restaurierung zur Konservierung und partiellen Ergänzung übergegangen,“ erklärt er weiter. Um dies zu unterstreichen zeigt er die VL Myrsky II in der Werkstatt. „Hier soll keine Replik entstehen, sondern weitestgehend ein Original aus originalen Teilen,“ führt er weiter aus. „Auch haben wir bei der Hurricane den Anstrich weitestgehend so belassen und nur gereinigt. Einzelne Teile der Einrichtung, die leider seit der Einlagerung 1943 verschwunden sind und die Verglasung des Cockpits, haben wir hier weitestgehend mit Originalteilen ergänzt. Bei der Brewster B-239 ging man dann gleich ganz neue Wege und ergänzte nur das eine oder andere fehlende Teil und beließ das Wrack fast ganz in dem Zustand, in dem aus einem russischen See geborgen worden war.
Leider nicht ausgestellt ist die VL-Humu, die einen Versuch der staatlichen Flugzeugbaufirma darstellt, die Brewster B-239 in Holzbauweise nachzubauen. Das Original ist in einer der Hallen auf dem Gelände eingelagert und nur zeitweise zu sehen.
Aus der Anfangszeit des Jet-Zeitalters ist eine der D.H. 115-Trainer (VT-8) erhalten, dazu eine Folland Gnat Mk. 1 (GN-101) und die Fouga CM 170 Magister (FM-45). Ebenfalls zum Thema Nachkrieg bis 70er Jahre ist eine der insgesamt fünf Iljushin IL-28R (NH-4) und eine DC-3/C-47 mit der Kennung DO-4 ausgestellt.
Die Mig-21 F-13 (MG-92) und die MiG 15-UTI (MU-4) stellen zusammen mit der schwedischen Saab 35FS Draaken (DK-223) die modernsten Maschinen des Museums dar.
Um diesen Komplex abzurunden, stellte das Museum noch das letzte in Finnland gefertigte Flugzeug vom Typ Valmet Vihuri (VH-18) – ein Trainer – und zwei Hubschrauber der Typen Mil Mi-1 und Mil Mi-4 in die Halle. Die Mil Mi-1 war ein Geburtstagsgeschenk Nikita Chruschtschows an den damaligen finnischen Ministerpräsidenten, der diesen aber nie selbst nutzte, sondern der Grenzwacht übergab.
In den Sommermonaten wird diese Ausstellung noch durch verschiedene MiG-Typen im Außenbereich ergänzt und hie und da wird auch das eine oder andere eingelagerte Exponat gezeigt.
Im Erdgeschoss sind neben den Flugzeugen „Unmengen“ an Motoren und Gerätschaften, teilweise neu, teilweise vollständig- und teilrestauriert oder auch im unrestaurierten Originalzustand, ausgestellt, was besonders für den historisch interessierten Besucher und Modellbauer von Interesse ist.
Die Flugzeuge und Gerätschaften sind weitestgehend Eigentum der Luftwaffe und dem Museum zur Ausstellung und Instandhaltung überlassen. Einen besonderen Platz nimmt auch das Air Force Signals Museum im Seitentrakt des Erdgeschosses mit Ausstellungsstücken und 1:1-Szenen ein.
Neben den Exponaten kann man auch viele sehr gut und detailgetreu gefertigte Dioramen und Modelle in sehr gut zugänglichen Vitrinen bewundern. Abgerundet wird das Ganze durch Artefakte und persönliche Erinnerungsstücke einzelner Piloten und Luftwaffenangehöriger.
Mit den oben genannten Exponaten hat Tikkakoski eine sehr spannende Sammlung von typischen, originalen und restaurierten Maschinen aus den 30er und 40er Jahren im Bestand.
Bücherei, Lesesaal, Café und Shop – die Abrundung eines gelungenen Museumstages
In einem Nebenbereich sind die Verwaltung, die Museumswerkstätten und auch die Bücherei mit mehreren hundert Büchern und über 130.000 Photos untergebracht. Auch dieser Bereich ist nach Voranmeldung nutzbar. Dieser Ort ist ein Treffpunkt der sehr regen und kompetenten Historiker- und Modellbauerszene Finnlands. Bei Kaffee und Kuchen ergeben sich hier oft lange und intensive Gespräche. Das gelingt umso besser, als nahezu alle Finnen sehr gut Englisch sprechen. Und nach ein paar Tagen hat auch der Besucher seine erste finnische Höflichkeitsformel parat…. Kiitos paljon!
Die Zukunft?
Wie wohl jedes Museum hat auch Tikkakoski durchaus Probleme mit der Finanzierung der Projekte und des laufenden Betriebes. Wechselnde Veranstaltungen, Seminare und Lesungen helfen hier etwas und auch die Zahl an Vereinsmitgliedern und Sponsoren ermöglichen dem Museum auch weiterhin die in Finnland hoch angesehene Arbeit. Seit zwei Jahren ist man dazu übergegangen, das Archiv auch digital zur Verfügung zu stellen.
Für einen ersten Eindruck empfiehlt sich auch die englischsprachige Webseite des Museums: www.airforcemuseum.fi
















































