Höhen-Erprobungsflugzeug DFS 346 in 1/72 (Huma Best. Nr. 4002):
Baubericht und Detaillierungshinweise von Gerd Busse
Original
Die metallbeplankte DFS 346 sollte mit ihren beiden Raketentriebwerken und den gepfeilten Tragflächen sogar schneller und höher fliegen als die DFS 228. Sie wurde angeblich noch vor Kriegsende an der Deutschen Forschungsanstalt für Segelflug (DFS) fertig und war bereit zum Erstflug, als der Krieg endete und die DFS 346 in der Sowjetunion verschwand. Nach anderen Quellen erfolgte die Fertigstellung erst nach dem Krieg unter sowjetischer Aufsicht und anschließend der Transport in die Sowjetunion, wo dann die Erprobung stattfand.
Das Internet liefert Fotos aus der Erprobung in der Sowjetunion, aus der Zeit in Deutschland waren keine Fotos zu finden. Es war also nicht zu klären, ob z. B. die Kufenverkleidung in Deutschland schon angebaut war und ob das rechte Seitenfenster in Deutschland noch vorhanden war.
Die Grenzschichtzäune auf den Tragflächen wurden angeblich erst später nach Windkanalmessungen beim dritten Prototyp angebaut. Ob und wo die DFS 346 überhaupt ohne Grenzschichtzäune flog, ist nicht bekannt.
Der Lebenslauf dieses Flugzeugs, dessen Aerodynamik seiner Zeit weit voraus war, liegt weitgehend im Dunkeln. Unklar blieb auch, wie das Flugzeug auf dem Boden transportiert wurde, denn auf seiner Kufe war es ja unbeweglich. Irgendwie muss es unter die B-29 gelangt sein, von der es in große Höhen geschleppt wurde. Hier ist beim Modellbau zielgerichtete Fantasie erforderlich, und vielleicht tauchen irgendwann Unterlagen auf, die zeigen, wie weit die Fantasie an die damalige Wirklichkeit heranreichte.
Modell
Das Modell von Huma ist wie die DFS 228 derselben Firma extrem fein detailliert, neben Cockpit und Landekufe ist hier die Staurohrhalterung innerhalb der Glasnase besonders zu erwähnen.
Rumpf
Im Rumpf wurden vorne 15g Blei eingebracht, damit das Modell später richtig auf seiner Kufe steht. Hierzu wurde ein 7,5 cm langer, 1,4 cm breiter und 1,4 mm dicker Streifen aus Bleiblech zusammengerollt, mit Nähgarn umwickelt und in den engen Raum zwischen Druckkabine und Kufenkasten eingeklebt. Ohne Nähgarn wäre eine feste Klebverbindung zwischen Bleiblech und Kunststoff nicht zuverlässig gelungen. Zwei kleine Einfallstellen hinter den beiden Fenstern wurden mit Wachsspachtel beseitigt. Kufe und Kabine wurden nach der Fertigstellung montiert und abgedeckt. Die Oberfläche wurde im Hinblick auf die spätere Lackierung sorgfältig geschliffen, dann mit glänzend schwarzer Farbe grundiert und abschließend mit Duraluminium (X True Metal AK 482) lackiert.
Der Einbau des lange Staurohrs, das vorne aus der Bugverkleidung ragt, ist mit seiner filigranen Abstützung eine echte Herausforderung. Verwendet wurde nicht das Staurohr aus dem Bausatz, da es verzogen war, sondern zwei gut ineinanderpassende Injektionsnadeln.
Fotos
Das Hintergrundposter eines Hangars in Monino wurde von einem Foto erstellt, das der Autor im Jahre 1992 in Monino offiziell aufnehmen konnte. Die digitalen Modellfotos wurden wegen besserer Tiefenschärfe mit Blende 11 und Stativ bei bedecktem Himmel aufgenommen, um Schlagschatten zu vermeiden. Schönheitsfehler wurden mit dem Computer beseitigt.
Fazit
Die DFS 346 mit ihrer wegweisenden Aerodynamik gehört in jede Sammlung von Modellen technisch relevanter Flugzeuge. Das Modell von Huma gibt das Original sehr gut wieder.
Literatur
[1] Horst Lommel: Fliegen im Liegen. Eine Flugzeuggattung stellt sich vor. Luftfahrt History 3: Henschel Hs 132 und DFS 228. LAUTEC Software und Medien GmbH, Siegen.
[2] Horst Lommel: Vom Höhenaufklärer bis zum Raumgleiter. Motorbuch Verlag Stuttgart. 2000. ISBN 3613020726.








