Avia BH-10 in 1:72 von Kovozávody Prostejov
Modell/Typ: Avia BH-10
Bausatz/Maßstab: Kovozávody Prostejov, 1/72
Einheit/Einsatzgebiet: Aeroklub Pilsen, Tschechoslowakei 1924
Original
Die Avia BH-10 ist ein einsitziges Kunst- bzw. Sportflugzeug, das 1924 in der neu gegründeten Tschechoslowakei entwickelt und gebaut wurde. Sie stammt aus der Reihe von Leichtflugzeugen der Firma Avia, die die bekannten tschechischen Konstrukteure Pavel Beneš und Miroslav Hajn entwarfen.
Die BH-10 war eine Weiterentwicklung der Avia BH-9 – selbst ein Sportflugzeug aus dem Jahr 1923. Typisch war die Konzeption als einmotoriges Brücken-Monoplane mit festem Fahrwerk und offenem Cockpit.
Ein markantes Merkmal der BH-10 war der hohe Schutzbügel (Anti-Roll-Pylon) hinter dem offenen Sitz, der den Piloten bei einer Überschlagslage oder beim Absturz schützen sollte – etwas, das als Sicherheitsmerkmal bei Kunstflug wichtig war.
Sie wurde meist mit einem Walter NZ-60-Sternmotor ausgestattet, der rund 60 PS lieferte und der Maschine eine respektable Leistung für ihre Zeit gab.
Insgesamt wurden nur etwa 21 Exemplare der BH-10 gebaut. Obwohl sie primär als Sport- und Kunstflugzeug gedacht war, erwarb die tschechoslowakische Armee rund zehn Maschinen für die Flugausbildung – dabei wurden sie unter der militärischen Bezeichnung B.10 geführt.
Die BH-10 diente vor allem als Schulflugzeug zum Kunstflug- und Fortgeschrittenentraining, was in der frühen Luftfahrt für die Ausbildung von Piloten eine zunehmende Bedeutung hatte.
Technische Daten:
Länge: 5,42 m, Spannweite: 8,80 m, Höhe: 2,38 m
Leergewicht: 288 kg, Max. Startgewicht: 414 kg
Motor: Walter NZ-60, 59 PS
Höchstgeschwindigkeit: 160 km/h, Reisegeschwindigkeit: 126 km/h
Reichweite: 480 km, Dienstgipfelhöhe: 4500 m
Modell
Für ein schnell zu bauendes Zwischenprojekt erschien mir die zivile BH-10 genau das richtige zu sein.
Der Bausatz, den ich vor kurzem auf der Modellbaumesse in Ried erwarb, war ein preisgünstiger Tütenbausatz, der auf eine Kartonbauanleitung getackert war. Die dort zu bauende zivile Variante erschien mir aber besonders attraktiv.
Das Cockpit baute ich ausnahmsweise mal ganz aus der Schachtel und benutzte die Decals aus dem Bausatz für die Gurte und das Armaturenbrett.
Interessant wurde es dann bei den Flügeln. Zunächst glaubte ich an einen Konstruktionsfehler des Bausatzes, denn die Flügel standen ca. 1mm vom Rumpf ab. Doch dann realisierte ich, dass das tatsächlich so gehörte. Die Flügel waren offensichtlich abklappbar. So wie vorgesehen ließ sich das aber nicht bauen. Die Verbindung vom Flügel zur Tragfläche bestand nur aus zwei stumpf anzuklebenden Plastikerhöhungen und zwei Streben. Da die zwei Streben sinnvollerweise erst nach der Lackierung anzukleben sind, musste ich mir etwas anderes einfallen lassen. An den Verbindungsstellen bohrte ich Rumpf und Tragflächen auf und ersetzte die Plastikklebepunkte durch Drahtverbindungen. Den richtigen Abstand erzielte ich mit passend zugeschnitten Röhrchen von Albion Alloys. Jetzt hatte das Ganze eine ordentliche Stabilität für die kommenden Arbeitsschritte.
Den Motor peppte ich mit Auspuffröhrchen aus gezogenem Plastik auf. Beim Fahrwerk hatte ich dann das Problem, dass die beiden Streben ungleich lang waren. Die zu kurz geratene wurde so modifiziert, dass hinterher beide gleich lang waren. Jetzt konnte auch das Fahrwerk mühelos zusammengebaut werden.
Grundiert habe ich das Modell mit weißem Primer von Life Colors aus Großhabersdorf. Leider erwies sich die Haftung der Grundierung bei einem parallel gebauten Kit als unzureichend. Ich werde diesen Primer wohl nicht noch einmal verwenden. Bei der Lackierung benutzte ich für die Aluminium-farbenen Bereiche XF-60 Aluminium von Tamiya. Bei den beiden Blautönen wurde ich bei Gunze und Tamiya fündig: H 323 für das Hellblau und Tamiyas XF-8 für das Dunkelblau. Etwas zeitintensiv war dann das Abkleben der dunkelblau zu lackierenden Tragflächenvorderkanten. Es lohnt sich aber, da die Maschine dadurch sehr auffällig wird. Mühe kostete auch der mit Hand sorgfältig bemalte Propeller.
Die Decals waren prima zu verarbeiten ohne auch nur eine Spur zu silbern!
Nach Ankleben der Kleinteile und des scratch hergestellten Gestänges des Seitenruders war der Vogel fertig.
Fazit
Sicherlich ein Modell das aufgrund seiner geringen Größe wenig hermacht, aber durch die auffallende Lackierung doch toll aussieht – und es ist mal etwas Ziviles.
Gerhard Schmalzl im Dezember 2025











