Bausatzvorstellung: SS Atlantic Conveyor

von Christian Lehmann

Hersteller: EVModels

Maßstab: 1/700

Material: Multimedia (Resin Guß, Resin Druck, Photoätzteile)

Historisches:

Die „SS Atlantic Conveyor“ war ein ConRo Frachter (RORO Frachter mit zusätzlicher Containertransport Kapazität) der Cunard Line. Bei Ausbruch des Falkland-Krieges hatte sie in Liverpool festgemacht. Sie wurde von der Admiralität übernommen und innerhalb einer Woche in der Werft in Devonport umgebaut, unter anderem, damit Harrier-Senkrechtstarter und Hubschrauber auf ihr starten und landen konnten.

Beladen mit „Chinook“- und „Wessex“-Hubschraubern, sowie „Harrier“-Senkrechtstartern auf dem Oberdeck, sowie militärischem Gerät im Rumpf fuhr sie in den Südaltlantik wo sie am 19.05.1982 eintraf. Bevor sie den Großteil ihrer Ladung löschen konnte, wurde sie am 25.05.1982 durch zwei argentinische „Exocet“ Raketen getroffen und sank später. Mit ihr gingen unter anderem die „Chinooks“ und einige der „Wessex´“ verloren, so daß die Briten den Weg von der San Carlos Bay nach Port Stanley zu Fuß zurücklegen mussten.

Der Bausatz:

Der Bausatz wird in einem stabilen Wellpappkarton geliefert, in dem die Modellbauteile zusätzlich mit Luftpolsterfolie geschützt sind.

Der Karton enthält den in Luftpolsterfolie verpackten Rumpf, einen in Luftpolsterfolie verpackten Zipp-Beutel mit Resinteilen, fünf Plastikschachteln, in denen sich die 3D-gedruckten Fluggeräte befinden, zwei fotogeätzte Messingplatinen, zwei kleine Abziehbilderbögen, zwei Blätter farbiger Bauanleitungen für die Fluggeräte und das Schiff und ein Büchlein mit Fotos der „Atlantic Conveyor“.

Der Rumpf ist aus grauem Harz gegossen und als Wasserlinienmodell ausgeführt. Er beinhaltet feine Deckstrukturen und bereits einige der beim Umbau fest installierten Container.

Der Zipp-Beutel enthält die Aufbauten, den Wellenbrecher, die Laderampe, verschiedene Kleinteile und Container unterschiedlicher Größen, einige davon bereits als Stapel. Auffällig sind die relativ dicken Schanzkleider. Diese entsprechen leider nicht dem Stand des derzeit technisch Möglichen.

An Fluggeräten sind vorhanden: 2 „Chinook“ , 4 „Wessex“, 4 „Sea Harrier FRS“, 4 „Harrier GR3“. Auf den Druckplatinen der Harrier befinden neben den Flugzeugen auch Raketen, Bomben und Zusatztanks.

Außerdem beinhaltet der Bausatz eine Druckplatine mit einer Dassault „Super Entendard“ samt „Exocet“ und Zusatztank. Warum eine „Super Entendard“ beigefügt ist, verstehe ich, denn es waren zwei dieser Flugzeuge, die den verheerenden Angriff auf die „Atlantic Conveyor“ flogen. Jedoch lösten sie die „Exocet“ in ca. 20 Meilen (ca. 37 km) Entfernung aus und kamen nie wirklich in die Nähe des Schiffes, so das das z. B. für ein Diorama nicht wirklich Sinn macht. Das macht einzig die mitgelieferte „Exocet“. Die Druckplatine der „Super Entendard“ enthält außer dem Erwähnten auch noch einige Kleinteile zur Komplettierung des Schiffes.

Die beiden Ätzteilplatinen enthalten unter anderem Railings, Treppen, Davits , Rotorblätter für die Hubschrauber und weitere Kleinteile.

Auf den beiden Naßschiebebilderbögen sind Flugdeckmarkierungen, der Schiffsname und Markierungen für die Fluggeräte vorhanden. Neben dem Namen der „Atlantic Conveyor“ ist auch der Name des Schwesterschiffes „Atlantic Causeway“ vorhanden. Sie wurde auch umgebaut und im Falklandkrieg eingesetzt. Wenn man sich dazu entschließt, sie zu bauen, halte ich Recherchen dahingehend für notwendig, ob es bezüglich des Umbaues Unterschiede zur „Atlantic Conveyor“ gibt, oder nicht.

Die Bauanleitung besteht aus zwei beidseitig farbig bedruckten DIN A4-Seiten. Diese sind durchgängig mit asiatischen Zeichen, wahrscheinlich Chinesisch, beschriftet. Es ist nicht zu erkennen, daß sie Farbangaben beinhalten, so dass man wohl auf eigene Recherchen angewiesen ist.

Bewertung:

Der Bausatz  macht einen guten Eindruck – insbesondere, da es sich um ein Rundum-Sorglospacket zu handeln scheint. Der Bau wird zeigen, ob dieser Eindruck täuscht oder nicht.

Eine maßliche Prüfung des Schiffes und der Fluggeräte habe ich nicht vorgenommen.

Mit den neuen Bausatz der „Atlantic Conveyor“ dürfte der nicht mehr verfügbare Bausatz von NNT auch nicht mehr neu aufgelegt werden.

Einziger Kritikpunkt zum jetzigen Zeitpunkt sind die meiner Meinung nach zu dicken Schanzkleider am Brückenaufbau. Diese sind 0,7 mm dick, was im Original 490 mm entsprechen würde. Beim Bau werde ich diese entweder dünner schaben oder komplett ersetzen. Auch halte ich es für unwahrscheinlich, daß die Flugzeuge an Bord der Atlantic Conveyor komplett aufmunitioniert wurden. Wahrscheinlich werde ich Flugzeuge oder auch nur die Bewaffnung dieser verwenden, wenn ich einmal die „HMS Invincible“ baue.

 

Christian Lehmann, Nürnberg, Januar 2026