Caterpillar D7 von Orange Model in 1:72
Baubericht von Michael Kohl
Was soll ich mit nem D7?
Ein Freund hatte den Bausatz für nen Schnapperpreis von einer Ausstellung mitgebracht und mir für einen Preis angeboten, bei dem Nachdenken, ob ich den brauche, überflüssig war – auch wenn ich erstmal keine Verwendung dafür sah.
Nach Öffnung der Schachtel machte der Kit schonmal einen guten Eindruck. Die Spritzgussteile waren knackig detailliert und es lag ein netter Photoätzteilesatz dabei. Das Auspuffrohr bestand sogar aus einem gedrehten Messingteil. Also wechselten ein paar Euro den Besitzer und der Bausatz wanderte in meine Sammlung.
Nach und nach entwickelte sich dann auch ein Projekt dazu. Ich hatte ein wenig über die Berliner Luftbrücke gelesen und dachte mir, dass ein Diorama zum Bau des Flughafens Berlin-Tegel eine schöne Gelegenheit wäre, eine wilde Mischung alliierten und deutschen Gerätes überzeugend zusammen darzustellen.
Recht schnell waren dann auch schon die ersten Bauteile aus den Rahmen gelöst, versäubert und verklebt. Die Passgenauigkeit machte Freude und erforderte keine weiteren Maßnahmen zur Auffüllung von Lücken oder Sinkstellen. Und ehe ich mich versah, waren die Basis-Baugruppen zusammengeklebt und es konnte auch schon Farbe drauf. Um dem Olive Drab (was sonst?!) etwas Variation zu geben, nutzte ich beide entsprechenden Farbtöne von Gunze (H52 und H78) und hellte beide für lichtexponierte Areale zusätzlich mit H85 Sail auf.
Der Motorblock erhielt neben den dafür vorgesehenen Ätzteilen aus dem Bausatz noch weitere Verfeinerungen durch entsprechende Leitungen. Dabei war die Bauanleitung des D7-Bausatzes von Miniart in 1:35 ausgesprochen hilfreich. Die dort zu findenden verschiedenen Perspektiven entsprechender Leitungen und deren Verlaufes machten einen Nachbau und die anschließende Verlegung wesentlich einfacher. Aber es blieb trotz dieser Hilfe ein recht kniffliges Unterfangen, alle Leitungen aus Kupfer- und Neusilberdrähten einigermaßen vorbildgerecht zu biegen und dann noch einigermaßen vorbildgerecht zu platzieren.
Als das dann geschafft war, ging es an die Detailbemalung, für die eine ganze Batterie an Vallejo- und LifeColor-Farben, sowie Panelline Wash von Tamiya zum Einsatz kamen. Belohnt wurde der Aufwand mit einem, in meinen Augen schon recht überzeugend wirkenden Dieselmotor.
Weit weniger glücklich war ich über das Fahrwerk. Laufrollen und Ketten sind in einem gespritzt. Das ist per se ja kein Problem und kann die Montage – vor allem in einem kleinen Maßstab – erheblich vereinfachen. Leider zieht sich über die Mitte der Ketten eine Gußnaht, die verschliffen werden sollte und die Angüsse wurden ebenfalls in Kettenmitte, an sehr prominenter Stelle platziert. Der Aufwand, die Naht zu verschleifen und die Angüsse zu entfernen war nicht unerheblich. Auch fand ich die Abgrenzung der einzelnen Kettenglieder gegeneinander nicht überzeugend und vertiefte die entsprechenden Kontaktstellen mit Säge und Scriber. Die bei Caterpillar sehr prominenten Nieten auf den Kettengliedern sind leider nicht dargestellt (und wären bei den Schleifarbeiten auch nicht zu retten gewesen). Ich habe von ihrer Nachbildung bei meinem Modell abgesehen. Nach zwei Stunden Arbeit an den beiden Bauteilen fand ich mit dem Ergebnis ab und lackierte die Ketten mit Alclad II ALC-120 Gun Metal.
Die Vielzahl an Schalthebeln, die das Cockpit des D7 ausmachen, wurden von Orange Model als Photoätzteile abgebildet. Einige davon ersetzte ich nach Vorbildfotos durch 0,3mm Messingrohr auf das mittels Weißleim ein 0,5 mm Bleikügelchen als Schaltknauf aufgesetzt wurde. Dort wo ich die Ätzteile übernahm, stellte ich den Handgriff durch Aufdicken der Enden mittels Weißleim dar. Am Tank hinter dem Fahrersitz befindet sich beim Original ein Handgriff – wohl als Aufstiegshilft. Der ist im Modell als plumper Plastikklumpen ausgebildet und wurde folgerichtig entfernt und durch einen Griff aus gebogenem Kupferdraht ersetzt.
Die Hydraulikleitungen zu den Zylindern wurden mittels 0,4mm Silikonschläuchen dargestellt. Eigentlich ein schönes Material, das die Eigenschaften der Hydraulikschläuche gut imitiert. Leider zieht das Silikon Staub stark an und lässt sich teilweise auch recht schlecht mittels Sekundenkleber fixieren, sodass ich es an ein-zwei Stellen dann letztendlich durch Bleidraht gleicher Stärke ersetzt habe.
Jetzt hätte der Bau eigentlich einfach so schön weiter gehen können…
Aber zwischenzeitlich stellte sich mir die Frage, wie ich meine, mittlerweile im Bau befindliche, Vought Corsair in Szene setzen soll – und da stolperte ich über die Seabees.
Die Seabees sind die Bautruppen der US Navy. Zu ihrem Spitznamen kamen sie durch die Abkürzung für Construction Batallion: CB, ausgesprochen Seabee. Sie wurden zunächst hauptsächlich aus Handwerkern aufgestellt und legten – oft noch unter Feuer – Infrastruktur an. Flugplätze, Straßen, Hafenanlagen, Kraftstofflager… was man halt zum Kriegführen so braucht – und das auf fast allen Kriegsschauplätzen und bis zum heutigen Tag. So kam mir die Idee, die Corsair zusammen mit einem D7 der Seabees auf einem kleinen Diorama zu präsentieren. Besonders gut gefiel mir dabei die Tatsache, dass ein kleiner Teil der D7, die im Pazifikraum eingesetzt wurden, in einem hellen Blaugrau lackiert waren, das mich gleich ansprach.
Also – alles nochmal neu lackieren. Da ich keine überzeugende Farbangabe für das Blaugrau fand, mischte ich mir mit H61 und H15 von Gunze eines aus Farben aus meinem Fundus zusammen, bis mir die Mischung gefiel (beim Nachmachen darauf achten, dass man nur ein klitzekleines Fitzelbisschen Blau braucht). Die bereits verklebte Motorabdeckung wurde nochmals vorsichtig entfernt und der Motor entnommen, denn diesen wollte ich dann doch in Olive Drab belassen, um ein bisschen Farbvariation zu haben. Für die Lackierung tieferer Areale dunkelte ich die Farbe mit Gunze H77 Tire Black ab.
Jetzt wurde der Motor wieder eingeklebt und der D7 war bereit zur Endmontage.
Im Modell nicht nachgebildete, aber prominente Hydraulikleitungen und die, die durch meine Handhabung des Modells kaputt gegangen waren, wurden durch Messingrohre nachgebildet. Nachdem ich die größte und längste davon in mehreren Versuchen endlich so gebogen bekommen hatte, dass sie dem Original nahe kam, gelang es mir teilweise nur mit großer Mühe, sie auch zu verlegen. Da ich sie dann jedoch nicht mehr entfernen konnte, ohne zu riskieren, dass sie unwiderbringlich verbogen wurde, ließ ich sie in Position und lackierte sie „vor Ort“.
Damit war die Bauphase weitestgehend und zu meiner Zufriedenheit abgeschlossen.
Nach Montage der letzten Details erhielten die drei Cockpit-Instrumente noch individuell ausgestanzte Anzeigen aus einem entsprechenden Abziehbildbogen, Details wurden mit Panelline Washes hervorgehoben, der Sitz wurde nach einem Basisfarbauftrag aus Braun noch mit verschiedenen Ölfarben realistischer gestaltet, Kratzer wurden mit dunkler Farbe auf einer Fläche aufgehellter Karosseriefarbe dargestellt, Ölfarben dienten zur Abbildung von Ablaufspuren von Öl und Kraftstoff und wurden ebenso genutzt, um die Grundfarbe an bestimmten Arealen noch zu variieren. Die Ketten waren vorher schon einigen Washes mit verschiedenen Rosttönen und einer Betonung der Kanten mittels Bleistift unterzogen worden. Die Scheinwerfer bohrte ich noch auf und setzte ein ausgestanztes Glasstückchen als Lampenglas ein. Damit war ich zu guter Letzt mit meinem D7 der Seabees ganz zufrieden.
Fazit: Der Bausatz von Orange Models erlaubt – mit nur kleinen Abstrichen – eine sehr schöne Darstellung eines Caterpillar D7, wie er sehr häufig im 2. Weltkrieg und weit darüber hinaus eingesetzt wurde. Eine unendliche Anzahl militärischer und ziviler Darstellungen sind möglich. Die einzige wirkliche Schwäche sind die Ketten, die bei der Versäuberung ordentlich Arbeit machen. Der Rest ist sehr fein.
Jetzt wartet der Kleine nur noch auf das Diorama, um seine letzte Ruhestätte zu finden.

































