H.M.S. Glamorgan in 1:700 von Starling Models
Bausatz: HMS Glamorgan (County Class Zerstörer) zur Zeit des Falkland-Krieges 1982
Hersteller: Starling Models
Maßstab: 1:700
Sonstiges: Eigenbau der Reusenantennen und diverser kleinerer Details
Baujahr: 2025
Schiffsmodell:
Es handelt es sich um einen Multi Media Bausatz. Der Rumpf und die Deckhäuser sind aus Harz gegossen, alle anderen Bauteile sind aus Harz 3D-gedruckt oder Ätzteile (Railings, Yard Arms, Radarantenne, Leiter und weitere Details.
Alles in allem ein Rundum-Sorglos-Paket – mit einem Abstrich: Es liegen keine Markierungen für den Bordhubschrauber bei. Zwar gibt es von Starling Models einen Satz für Wessex-Hubschrauber, jedoch sind die Markierungen für den Bordhubschrauber der Glamorgan darin nicht enthalten. Den Markierungssatz habe ich trotzdem bestellt, daraus allerdings in Ermangelung einer Alternative nur den – leider unscharf gedruckten – „Royal Navy“-Schriftzug, verwendet. Die Ziffern der Höhe 1 und 1,5 mm, stammen aus einem Abziehbildersatz von „Matho Models“.
Die Bauanleitung ist übersichtlich und enthält auch einen Plan der „Takelung“.
Sie enthält leider keine Übersicht der 3D-Druckrahmen, sodass es insbesonders bei den 3D-gedruckten Kleinteilen schwierig ist, diese zuzuordnen. Ich bin hier selbst mit der Lupenbrille an meine Grenzen gestoßen, weil einige Teile einfach so klein sind, daß ich keine Details mehr erkennen konnte. Letztendlich habe ich sie dann über die Anzahl der Teile identifiziert. Bei meinem Bausatz fehlte ein ganzer Druckrahmen, der unter anderem die Behälter der Rettungsinseln enthielt.
Nachdem ich das beim Hersteller reklamiert hatte, bekam ich diesen zwar kostenlos zugesendet, musste dafür aber ärgerlicherweise Einfuhrzoll bezahlen.
Der Bau selber war recht unspektakulär. Manche Einzelteile, wie z.B. die Corvus-Werfer, Bofors- Maschinenkanonen, Beiboote oder Davits habe ich zu Beginn von ihren Trägern gelöst, versäubert und auf Teileträger wie Zahnstocher oder Holzspatel zum Lackieren vereinzelt. Andere, besonders die Kleinen, die auf den Aufbauten verbaut wurden, erst als sie benötigt wurden, um das Risiko des Verlierens zu vermindern.
Auf dem Rumpf befinden sich Markierungen für die Positionierung der Deckhäuser. Bei der Paßprobe des Brückenaufbaus habe ich festgestellt, daß die Öffnung im Rumpf etwas zu groß ist. Deshalb habe ich im vorderen Bereich einen Styrolstreifen eingesetzt. Da das Modell auf einer Wasseroberfläche dargestellt werden sollte, wurde über die Unterseite des Rumpfes eine 1,5 mm dicke Styrolplatte geklebt.
Der Bau selbst begann mit den Aufbauten. Diese wurden gemäß Bauplan mit 3D-gedruckten Details und Ätzteilen versehen. Die “Masten“ komplettiere ich in der Regel von unten nach oben, wobei ich die „Yardarms“ als letztes montiere, da diese bei Berührung gerne wegbrechen und davonfliegen oder verbogen werden. Die Deckhäuser baue ich von oben nach unten. Die Hauptbaugruppen lasse ich bis nach dem Lackieren und Altern separat. Als letzter Schritt vor dem Lackieren montierte ich die Railings an die Aufbauten und an den Rumpf.
Bei diesem Modell scheine ich auch endlich die richtige Methode zum Halten des Rumpfes/Schiffes während der Montage und beim Lackieren gefunden zu haben. Ich habe in den Rumpf drei Löcher gebohrt und dort Magnete, die es für ein paar Euro im Internet zu kaufen gibt, eingeklebt. Damit kann ich das Modell ausreichend fest an ein Stahlprisma fixieren, welches ich während meiner Ausbildung zum Maschinenschlosser einmal gefeilt und gefräst habe. So kann ich das komplette Schiff, z.B. beim Montieren der Railings auf die Seite legen und habe beide Hände zum Arbeiten frei.
Lackiert habe ich Rumpf und Aufbauten mit Gunze H338., die Decks der Aufbauten, entgegen der Anleitung, grün mit H340, da die Decks erst nach dem Werftaufenthalt, bei dem die Kriegsschäden beseitigt wurden, grau gestrichen wurden. Das Hauptdeck und Flugdeck wurden mit H82, das Holzdeck mit Tamiya XF-78 lackiert. Zum Altern verwendete ich ein dunkelbraunes Washing und Ölfarben zur Darstellung der Korrosion. Diese mag übertrieben wirken, jedoch ist dieser Zustand durch Fotos belegt, welche die Glamorgan bei der Rückkehr aus dem Südatlantik zeigen.
Die Wessex habe ich mit Tamiya XF-3 und Gunze H328 lackiert, wobei ich das Gelb durch einen Filter abgetönt habe. Für die Rotorblätter nennt die Bauanleitung lediglich “HeliGray“, was immer das auch sein mag. Ich habe mir bei der Farbfindung dadurch beholfen, daß ich mich an dem Bauplan der Italeri Wessex HAS.3, Kit-Nr. 1258, den ich bei Scalemates gefunden habe, orientierte.
Reusenantennen/Käfigantennen:
Es werden zwei identische Antennen benötigt. Lange habe ich mir den Kopf darüber zerbrochen, wie ich die Reusenantennen, auch Käfigantennen genannt*, herstelle, bzw. welches Material ich dazu verwende. Da ich sie separat, d.h. nicht direkt am Schiff, herstellen wollte, fiel meine Wahl auf 0,1 mm dünnen Draht aus der Abschirmung eines Fernsehantennenkabels und fotogeätzten Ringen von „Snowman“. Aus Styrolplatten und -profilen habe ich mir eine Vorrichtung mit einer Maßverkörperung in Millimeter-Einteilung gebaut, um die Länge der Antennen gleichmäßig herstellen zu können. Diese besteht aus zwei Endplatten, in die ich 0,3 mm-Bohrungen im Sechseck angebracht habe. Hierdurch fädelte ich den gestreckten Draht, den ich anschließend wiederum durch Polystyrol-Platten, die eine kleine zentrale Bohrung aufweisen, führte und mit Sekundenkleber sicherte. Mittels eines Keilgetriebes und Abstandsplatten konnte ich die Drähte nun gleichmäßig spannen. In die parallelen Drähte wurden anschließend kleine Ringe positioniert und mit Sekundenkleber gesichert. Die Länge der Antennen habe ich durch Probieren festgelegt. Die geätzten Ringe habe ich bei der finalen Lösung durch selbst gewickelte Drahtringe ersetzt.
Die Antennen wurden anschließend mit der Airbrush grundiert und lackiert. Leider habe ich dabei die optischen Veränderungen durch den Farbauftrag unterschätzt. Die Antennen wirken jetzt zu massiv. Da ich aber keine Lust hatte, neue Antennen herzustellen, habe ich die vorhandenen verwendet. Beim nächsten Mal werde ich nur noch 0,05 mm dicken Draht verwenden und diesen nicht mehr grundieren, sondern nur im endgültigen Farbton lackieren.
*unter beiden Bezeichnungen habe ich bei Google Suchergebnisse bekommen
Basis (Wasser):
Als Basis dient Hartschaum, den ich mit Styrol verkleidet und die Seiten „Frost Black“ aus der Sprühdose lackiert habe. Dieses Mal wollte ich einen nicht so starken Wellengang wie bei meinen bisherigen Modellen (siehe Archivseite) darstellen. Dazu habe ich mit einem hölzernen Feilenheft (das ist der Fachausdruck für den Griff einer Feile) Vertiefungen an den Stellen in den Schaum gedrückt, an denen ich die Täler der Dünung darstellen wollte. Das habe ich mehrmals wiederholt, da der Hartschaum nicht sehr kompressibel ist und sich elastisch verhalten hat.
Die Umrisse und Fläche des Rumpfes habe ich ebenfalls durch Drücken etwas vertieft. Dazu habe ich Werkzeuge mit kleinerer Fläche verwendet, um eine höhere Flächenpressung zu erzeugen und tiefere Eindrücke zu erzeugen.
Im nächsten Schritt wurden insgesamt drei Schichten weißer Wandfarbe mit einem steifen Pinsel stippend aufgebracht, um die Kräuselung der Wasseroberfläche zu erzeugen. Der Unterbau und der Wellengang der Bugwelle wurden mit Hilfe eines Papiertaschentuches erzeugt. Vor der Darstellung des Wellenganges habe ich mir Fotos der Glamorgan bei unterschiedlichem Seegang und unterschiedlichen Fahrtgeschwindigkeiten angesehen, um diesen annähernd realistisch gestalten zu können.
Das Ganze wurde dann mit der Airbrush lackiert.
Meine Vorgehensweise war:
- Grundieren der Wellentäler mit Grau, der Wellenberge mit Weiß oder sehr hellem Grau,
- Kolorieren mit Vallejo-Farben mit einer Mischung aus „Türkies“ 70.996 und „Grün“ 70.970, sowie abschließenden Angleichen und Abdunkeln mit „Dark Sea Blue“ 70.898.
- Einpinseln der gesamten Fläche mit zwei bis drei Lagen „Future“- Parkettpolitur
- Einsetzen und Verkleben des Modells
- Schließen des Spaltes zwischen Modell und Wasserfläche mit transparentem „Water Texture Acrylic“ von Vallejo
- Modulieren der Bugwelle und des Wellenganges mit transparentem „Water Texture Acrylic“
- Trockenmalen des Wellenganges mit Weiß
- die Hecksee und Verwirbelungen am Rumpf mit wurden „Foam Effect“ von Vallejo geformt.
Fazit:
Seitens der Aufteilung der Bauteile ist der Bausatz relativ einfach zu bauen. Auch die Montage der Ätzteile ist, wenn man damit etwas Erfahrung hat, keine Zauberei. Die Hürden liegen meiner Meinung nach in der Winzigkeit einiger Bauteile, sowie darin, manche gedruckten Teile verlust- und beschädigungsfrei von den Trägern zu lösen. Hier ist vor allem Geduld gefragt. Für Anfänger halte ich den Bausatz für nicht geeignet. Der geübte Modellbauer sollte jedoch keine Probleme bei der Erstellung eines ansprechenden Modelles haben. Ob man sich auf die Anfertigung von Reusenantennen einlässt, muß jeder selber entscheiden.
Mit der “Glamorgan” hat meine Flotte von Schiffen, die im Falkland-Konflikt eingesetzt waren, wieder Zulauf erhalten.
Christian Lehmann im Dezember 2025


























