Dewoitine D. 520 in 1:32 von Azur

Verwendetes Zubehör:

  • YMA3205 Yahu Instrumentenbrett (sehr zu empfehlen)
  • MM32003 Montex Mini Masks für die Cockpitverglasung (sehr zu empfehlen)
  • Contact Resine 32004 Control Surfaces in Resin (Das Geld sollte man sich sparen)
  • Berna Decals 32048 Dewoitine D.520 GC I/3 (lohnenswert)
  • SQU9410 Squadron tiefgezogene Cockpithaube (Wer das Cockpit offen darstellen will, kommt nicht darum herum)

Was gibt es zu lesen?

Natürlich kann man grundsätzlich ein Modell auch ohne große Fachbibliothek aus der Schachtel heraus bauen. Nichts spricht dagegen, besonders wenn der Bausatz gut recherchiert und detailiert ist. Beides ist hier jedoch nicht der Fall, weshalb man m. M. um Marek Rys‘ Band 104 aus der Top Drawings Reihe zur Dewoitine D. 520 nicht herumkommt. Ohne gute Maßstabspläne geht es nicht. Wegen der vielen Detailaufnahmen des Originals aus dem Luftfahrtmuseum Le Bourget sehr zu empfehlen ist außerdem Bartlomiej Belcarz, Dewoitine D.520, aus der Yellow Wings Reihe von Mushroom Publications.

Der Bausatz

Die Dewoitine D.520 war ja bekanntlich ein äußerst zäher Gegner, dem nur mit großer Mühe beizukommen war. Dasselbe gilt für diesen Bausatz. Laut Scalemates stammt der short-run Kit von Azur, ein Name, der in den Special-Hobby-Kosmos gehört, ursprünglich aus dem Jahr 2003 und ist bis heute der einzige im großen Maßstab 1:32. Azur hat in diesem Maßstab tatsächlich die wichtigsten französischen Jagdflieger vorgelegt, von der Dewoitine D. 520 und der Bloch 152 über die Morane-Saulnier 406 und der eher exotischen Caudron CR. 714 bis zur Hawk-75 (sprich der Exportversion der P-36). Die Bausätze reichen von katastrophal (MS 406) bis zu recht baubar (Bloch 152), wobei die Dewoitine hier wohl irgendwo in der Mitte anzusiedeln ist. Ich hatte den Bausatz in seiner zweiten Auflage von 2004 mit Vichy-französischen Markierungen über den einschlägigen Onlineflohmarkt erworben. Die zweite Auflage des Bausatzes mit der Nummer A043 beinhaltet einige Resinteile für das Cockpit sowie eine ebenfalls in Resin gegossene Pilotenfigur. Letztere scheint dem Betrachter allerdings ständig „Töte mich! So will ich nicht leben!“ zuzuwinseln und landete umgehend im Mülleimer, bevor noch Frau oder Kinder durch den Anblick irreparablen Schaden erleiden konnten. Die Cockpitteile sind zwar nicht das auf der Verpackung beworbene „hi-tech detailed interior“, aber im Gegensatz zur Figur durchaus brauchbar. In dieser mit Resinteilen erweiterten Version ist der Bausatz dann auch 2013 und erst 2022 wieder aufgelegt worden, ist aber heute trotzdem nur recht selten und nur aus zweiter Hand zu bekommen. Dieses Schicksal teilt der Bausatz allerdings mit seinem Pendant in 1:48, denn auch der Tamiya-Bausatz der Dewoitine D. 520 ist derzeit vergriffen. Den Markt in 1:72 überblicke ich nicht, doch scheint es hier etwas besser auszusehen. So ist etwa der Hasegawa-Bausatz von 1997 durch Hobby 2000 in 2020 wieder aufgelegt worden und über die bekannten Händler gut zu bekommen.

Der Bau

Die Passung der Hauptkomponenten war bei einem ersten Zusammensetzen mit Klebeband relativ zufriedenstellend. Auch die Maße stimmten mit den Plänen von TopDrawing überein. Einschränkend sei darauf hingewiesen, wie ausgiebig in diversen französischen Foren auf die Maßhaltigkeit dieses Bausatzes geschimpft wird, da man so einige Informationen, wie etwa die Originalpläne, die mittlerweile sogar online digitalisiert zugänglich sind (https://archives.haute-garonne.fr/archives/archives/fonds/FRAD031_0056J) bei der Herstellung 2003 nicht berücksichtigt hat (Fairerweise sei erwähnt, dass die Kritik am Tamiya-Modell nicht weniger ausgiebig ausfällt).

Eines wird schnell deutlich, nämlich dass der Winkel der Flügel im Bausatz keinesfalls stimmen kann, denn der ist quasi nicht vorhanden. Den Beginn des Baus stellte folglich nicht wie üblich das Cockpit, sondern die Flügel dar, die ich mit einer brachialen, aber wirkungsvollen Methode, einen dicken Plastikstreifen auf Spannung einzuziehen, auf den richtigen Winkel brachte. Dabei wurden auch die Hülsenauswurfschächte der MG detailiert (Bild 2, Bild 3, Bild 4).

Stellt man das ausgiebige Dünnerschleifen der Flügelhinterkanten und  das Einpassen der Landeklappen in Rechnung, passt das Cockpit aus Resin mit erstaunlich wenig Nacharbeit erstaunlich gut zusammen (Bild 5, Bild 6)

Nachdem ich ein paar Leitungen und die Sitzgurte aus Bleidraht und dünner Folie ergänzt hatte, wurde das Cockpit mit „Bleu de nuit“ lackiert, ein dunkelblauer Farbton für französische Cockpits der späten Dreißiger Jahre, den ich aus diversen Tönen zusammenmischte, auf dass er zum bedruckten Instrumentenbrett von Yahu passe (Bild 7-10).

Fast schon verwöhnt von der völlig problemlosen Cockpitmontage verhindert dann das Resinzubehör von Contact Resine etwaige voreiligen Höhenflüge. Besonders das Ruder passt nicht einmal im Ansatz und hat ebenso wenig irgendeine Ähnlichkeit mit dem Original (Bild 11).

Bild 11

 Was dann schließlich am Modell als Ruder angebaut wurde, hätte ich genauso gut aus jedem beliebigen Resinblock feilen können. Die Bilder von der Montage der Hauptkomponenten zeigen, wie selten es ohne die Zuhilfenahme von schwerem Gerät in Form von Klemmen ging. Unverhältnismäßig viel Spachtelmasse allerdings verbrauchte ich nicht, allerdings nur, weil ich die größten Spalten mit Plastikkarte verschloss (Bild 12-15).

 Viel blieb nach ausgiebigem Geschleife von den sowieso nicht allzu üppig vorhandenen Oberflächendetails dann nicht übrig, weshalb die Blechstöße nachgraviert und mittels Nietrad mit „Nieten“ versehen und diverse Stellen mit Plastikkarte nachdetailliert wurden. (Bild 16-20).

Aber das ist ja bei Shortrun-Bausätzen nichts Außergewöhnliches. Wer die Schiebehaube des Cockpits geöffnet darstellen möchte, dem sei die tiefgezogene Haube von Squadron ans Herz gelegt. Sie ist wesentlich maßstabsgetreuer als die Bausatzteile, die sich geöffnet nicht montieren lassen. Völlig unbrauchbar schließlich ist der Bausatzpropeller, denn die Propellerblätter sind viel zu kurz und haben die falsche Form. Long Story short, da ich den Bau damals auf largescaleplanes.com dokumentierte, schickte mir Modellbaukollege „Waroff“, einer der fundiertesten Spezialisten für französische Fliegerei im 2. Weltkrieg, unentgeldlich von ihm nach den Originalplänen gezeichnete und 3D-gedruckte Ersatzteile. Mein herzlicher Dank geht damals wie heute dafür in die Bretagne!

 

Lackierung und Finish

Lackiert wurde auf einem Finish in Aluminium, das unordentlich verschliffene Oberflächen sichtbar macht, sowie einer Vorschattierung in Dunkelgrau mit einem Farbset von Hataka (CS16 Early WW2 French Air Force paint set). Man liest durchaus auch Negatives über diese Farben, für mich persönlich funktionieren zumindest die Lackfarben der „Orange Line“, verdünnt mit dem Hauseigenen Verdünner, recht gut (Bild 21-24).

Um eine Maschine der Armée de l’Air von 1940 darzustellen, nutzte ich einen Abziehbildersatz von Berna Decals, der sich aufgrund der Dicke zwar etwas  störrisch, aber ohne große Probleme verarbeiten ließ. Obwohl die Maschinen 1940 noch nicht lange im Fronteinsatz standen, zeigen zahlreiche Fotos doch einige Lackschäden, weshalb ich mich beim umstrittenen Thema „Weathering“ auch nicht allzu sehr zurückhielt.

An französischen Pilotenfiguren quillt der Zubehörmarkt leider nicht über. Ein paar Figuren gibt es von der italienischen Firma „Allarmi!!!“, wobei diese sehr schwer zu bekommen sind. Tatsächlich geriet ich nur an einen italienischen Piloten dieser Firma. Anfänglich hielt ich die Ausrüstung italienischer und französischer Piloten für außerordentlich ähnlich, weshalb ich zugeschlagen hatte, aber ein genauerer Blick machte dann so einigen Umbau mit Hilfe von Zweikomponentenmodelliermasse, Bleifolie, einem Resinkopf von Hornet sowie Schnürstiefeln von Royal Models (meine Figur trug Sandalen für den afrikanischen Kriegsschauplatz) notwendig (Bild 25-26).

Irgendwann war aber dann auch dieser Bau abgeschlossen und alles landete doch noch auf meinem selbstgeschreinerten Sockel.

Fazit

Mein Plan war ürsprünglich natürlich, alle fünf französischen 32er von Azur zu bauen. Mittlerweile liegen aber die modernen 1:48er Bausätze der MS 406, der Bloch 152 und der Caudron CR. 714 von Dora Wings bei mir im Keller. Und ja, ich habe mir auch eine Dewoitine im selben Maßstab von Tamiya besorgt. Tatsächlich haben Dora Wings außerdem angekündigt, eine neue Dewoitine D. 520 auf Basis der mittlerweile zur Verfügung stehenden Orignalpläne und beraten von Spezialisten wie „Waroff“ in allen drei Maßstäben 1:32, 1:48 und 1:72 herauszubringen. Man muss es sich also eigentlich nicht schwerer machen, als notwendig.