Die DFS 228 wurde nach der Landung vermutlich mit einem Scheuch-Schlepper zurückgeholt.

Höhen-Erprobungsflugzeug DFS 228 in 1/72 (Huma Best. Nr. 3503)

Baubericht und Detaillierungshinweise von Gerd Busse

Original
Die futuristische DFS 228 der Deutschen Forschungsanstalt für Segelflug e.V. gehört zu den deutschen Strahl- und Raketenflugzeugen im zweiten Weltkrieg, die selbst vielen Fachleuten nicht bekannt sind. Von den zwei fertigen Exemplaren ist nur eins wirklich geflogen.
Die DFS 228 wurde ab Anfang 1943 als „Raketensegler“ für Höhenflüge bis zu 23 000 m konstruiert. Dadurch wurde für den Piloten eine aufwändige Druckkammer erforderlich, die im Notfall als Ganzes abgesprengt wurde. Die Flugerprobung begann im Oktober 1944, allerdings noch ohne Raketentriebwerk und ohne Druckkammer. Der Start erfolgte „Huckepack“ auf einer Do 217 K-3, die bis auf 9500 m Höhe stieg. Aus dieser Erprobungsphase stammen die meisten Fotos der DFS 228. Das erste Erprobungsmuster V-1 wurde am Kriegsende flugfähig von amerikanischen Truppen erbeutet. Die DFS 228 V-2 wurde noch vor ihrem Erstflug bei einem Bombenangriff zerstört. Die V-2 hatte den Bug ganz verglast und statt der Landeklappen ein Bremsgitter. Wer mehr Details wissen möchte, findet in den Veröffentlichungen von Horst Lommel reichhaltige Information [1,2].

Modell
Das Modell von Huma erlaubt den Bau der V-1 oder der V-2. Der beachtliche Bausatz kann mit Nacharbeit noch vorbildgetreuer werden. Wie das geht, wird im Folgenden beschrieben. Gebaut wurde die V-1, von der mehr Fotos existieren.

Rumpf
Das Innenleben der Druckkabine ist im Bausatz extrem fein detailliert. Eigentlich zu schade für den Einbau, weil danach kaum noch was zu sehen ist. Hier ist nichts zu korrigieren. Die vier Fenster im Bugbereich sind im Bausatz geschickt als ein einziges Bauteil eingeplant. Sie sind aber zu klein und liegen an der falschen Stelle. Zur Bestimmung der richtigen Lage ist Hintergrundwissen hilfreich: Das aus Festigkeitsgründen zylindrische Rumpfvorderteil ist mit 24 Stringern verstärkt, die auch Elemente für Fenster und Einstiegsluke bilden. Das zeigen die Querschnittszeichnungen in der Bauanleitung von Huma oder S. 78 in [2]. Im Bausatz fehlt das untere Fenster, das dem Piloten die Sicht auf den Erdboden ermöglichte. Es liegt vor den beiden unteren Fenstern und ist durch ein Unterseiten-Flugfoto des Originals gut belegt (S. 43 von [1] und S. 88 von [2]). An der Oberseite befindet sich zwischen den beiden Fenstern die große Einstiegsluke, die wegen der Druckbelastung einen breiteren Rahmen benötigt. Diese Luke ist auf den Werkszeichnungen zu sehen, nach denen auch der Rahmen des Modells aus Abziehbildfolie gefertigt wurde. Es war leider nicht zu klären, ob sich in der Mitte der Luke ein Fenster für die Sicht nach oben befand. Daher wurde es nicht dargestellt. Vorne im Bug wurde das kleine elliptische Fenster der V-1 eingebaut, wobei die Herstellung des passenden Rahmens aus lackierter Abziehbildfolie zeitaufwändig war. Die Fenster wurden über einem passenden Zylinder mit einem Heißluftföhn aus Verpackungsfolie tiefgezogen und die Rahmen aus lackierter Abziehbildfolie dargestellt. Am fertigen Modell ist gut zu sehen, dass die richtige Breite der Fensterrahmen zum realistischen Gesamteindruck des Modells beiträgt.
Im Rumpf direkt hinter der Druckkabine wurden 10g Blei eingebracht, damit das Modell später in korrekter Haltung auf seiner Kufe steht.

Größe und Lage der Fenster und Zugangsklappen im Rumpf wurden korrigiert.
Die Beschläge der Ruder in den Tragflächen wurden gemäß Fotos ergänzt.
Dank der 10 g Blei im Bug steht das Modell korrekt auf seiner Kufe.

Tragflächen
Wer sich für den Bau der V-1 entscheidet, sollte die Landeklappen geeignet darstellen, entweder durch Gravur oder – deutlich besser – durch Ausschneiden, Profilieren und Anbau von Anlenkungen mit Schubstangen. Dabei ist das oben erwähnte Unterseiten-Flugfoto sehr hilfreich. Diese Detaillierung ist auch bei den doppelten Querrudern unbedingt sinnvoll, obwohl zeitintensiv. Die inneren Querruder erhielten innen direkt neben den Landeklappen jeweils ein Trimmruder mit Anlenkung.

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Die Draufsicht der V-1 zeigt die Landeklappen, die doppelten Querruder sowie die Trimmruder neben den Landeklappen.
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Die DFS ist hier untypisch auf Betonplatten abgestellt, gelandet wurde nämlich auf Grasflächen. Die Tragflächenoberseite zeigt die Bespannung der Querruder. Unter der großen Abdeckklappe im Rumpfrücken verbargen sich die beiden großvolumigen Raketentreibstofftanks
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Die Tragflächenunterseite lässt die Lagerung und die Anlenkung der Querruder und der Landeklappen erkennen sowie die Trimmruder der inneren Querruder und ihre doppelten Anlenkungen. Die Gleitschuhe an den Enden der Tragflächen sollten die äußeren Querruder vor Landeschäden bewahren. Auf einer Zeichnung ist die rechte Seite der langen Klappe im Rumpfrücken mit einem durchgehenden Klavierbandscharnier zu sehen, wie auf diesem Foto. Das Scharnier wurde mit Abziehbildfolie auf dem Drucker dargestellt

Farbgebung
Auf Fotos erscheint die DFS 228 hell, wahrscheinlich wie Segelflugzeuge damals elfenbeinfarbig, das DFS hatte schließlich was mit Segelflug zu tun. Darum wurde RLM 05 gewählt, das durch H 318 von Gunze gut wiedergegeben ist.
Das Modell wurde in Einzelteilen und vor dem Einkleben der Fenster mit der Airbrush lackiert. Die Fensterrahmen wurden erst ganz am Schluss auf dem transparenten Fensterbereich aufgebracht.
Bei der DFS 228 V-1 ist links am Bug der Narwal ein wichtiges Detail, dessen Sägezahn auf das Einsatzprofil des Flugzeugs hinwies. Der Narwal wurde maßstabgerecht mit Abziehbildfolie auf dem Laserdrucker erstellt. Da das Abziehbild sehr klein ist, gab es hier keine Probleme mit krümmungsbedingter Faltenbildung.

Fotos
Die digitalen Fotos wurden wegen besserer Tiefenschärfe mit Blende 11 und Stativ vor einem zuvor erstellten Poster bei bedecktem Himmel aufgenommen, weil sonst die Kontraste wegen Schlagschatten zu stark gewesen wären. Schönheitsfehler wurden mit dem Computer bereinigt.
Das Original ist auf Fotos entweder im Flug oder auf einer Do 217 K-3 zu sehen. Es wurde nach der Landung zweifellos mit einem Fahrzeug bewegt, aber zu Einzelheiten fehlt hier jede Information. Darum wurde angenommen, dass der für die Bewegung der Me 163 verwendete Hubwagen mit Scheuch-Schlepper auch für die Bewegung der DFS 228 eingesetzt wurde. Dass der Schwerpunkt des Modells beim Bau mit Blei korrekt eingestellt wurde, erwies sich hierbei als sehr nützlich, denn es wäre sonst vom Wagen heruntergefallen.

Fazit
Die DFS 228 markiert einen wichtigen Entwicklungsschritt der modernen Luftfahrttechnik. Sie gehört in jede Sammlung von Modellen technisch relevanter Flugzeuge. Das Modell von Huma gibt das Original sehr gut wieder. Der vorliegende Bericht wendet sich an Modellbauer, die die wenigen Fehler des Bausatzes beseitigen und Details ergänzen wollen.

Literatur
[1] Horst Lommel: „Fliegen im Liegen“. Eine Flugzeuggattung stellt sich vor. Luftfahrt History 3: Henschel Hs 132 und DFS 228. LAUTEC Software und Medien GmbH, Siegen.
[2] Horst Lommel: “Vom Höhenaufklärer bis zum Raumgleiter“. Geheime Projekte der DFS. Motorbuch Verlag Stuttgart. 2000. ISBN 3613020726.